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Schlick Christoph Copyright Christian Jungwirth web(30. April 2017) Christoph Schlick (BILD) studierte Rechtswissenschaften und Theologie in Graz, Salzburg und Rom. Er war über 20 Jahre Benediktinermönch. 2001 gründet er das Institut für Logotherapie und Existenzanalyse und 2014 das SinnZENTRUM in Salzburg und ist als Unternehmensberater und Coach tätig. Sein kürzlich erschienenes Buch „Was meinem Leben echten Sinn gibt. Die wichtigsten Lebensfragen klären“ rezensierte Chefbüro und sprach mit dem Autor.

CB: Sie beraten Firmen vom 20-Mitarbeiter-Zimmereibetrieb bis zum internationalen Großkonzern. Was unterscheidet Sie von anderen Unternehmensberatungen?

Christoph Schlick: Das Wesentliche gleich vorweg: Mir geht es zuerst immer um den (oder die) betroffenen Menschen und nicht primär um Zahlen, Umsatz, Gewinn. Erst wenn es den einzelnen Menschen in einem Unternehmen gut geht, dann werden auch die Zahlen nachhaltig stimmen. Dies ist meine Grundhaltung, wenn ich in ein Unternehmen eingeladen werde. Natürlich ist mir bewusst, dass auch gesunde Zahlen für den Bestand eines Unternehmens wichtig sind, doch versuche ich für mich die Priorität Mensch nie aus dem Auge zu verlieren.

CB: Was qualifiziert Sie als Person zum Unternehmensberater?

Christoph Schlick: Zuerst einmal ist meine Erfahrung als Wirtschaftsleiter eines Benediktinerklosters mit etwa 150 MitarbeiterInnen in ganz verschiedenen Bereichen meine „Grundschulung“. Sehr jung bin ich in diese Verantwortung berufen worden und durfte viele Erfahrungen sammeln.

Von der Personalführung bis zum Fundraising, von der Sanierung 800 Jahre alter Gebäudeteile bis zur Implementierung von Hightech Anlagen reichte mein Aufgabengebiet. Dabei stand mir immer der Blickwinkel des „Wofür“ Pate: Wem wird dies nützen? Ist es nachhaltig? Schaffen wir dadurch neue Werte? Erhalten wir etwas, das auch heute und morgen sinnvoll genutzt werden kann?

Und immer wieder mussten meine Überlegungen eingebettet werden in das Leitungsteam des Klosters, in dem manche Mitbrüder aus „ganz anderen Welten“ stammten. Da habe ich neben dem wirtschaftlichen auch das Vermittelnde und Erklärende nie vernachlässigen dürfen.

Dann auch meine inzwischen fast zwanzigjähre Erfahrung in der Begleitung von Führungskräften und Teams, von EigentümerInnen, Eigentümer-Familien und MitarbeiterInnen von ganz kleinen, manchmal sogar EPUs bis hin zu ganz großen DAX notierten Unternehmen.

Und natürlich auch meine ganz persönliche Erfahrung als Unternehmer, hier im SinnZENTRUM und auch in einem ganz anderen Bereich, in unserem kleinen Familienweingut in der Steiermark.

CB: Sie helfen Menschen, ihren ganz persönlichen Sinn des Lebens zu finden? Suchen bei Ihnen auch Unternehmen nach einer Form von Sinn?

Christoph Schlick: Ich glaube, dass wir im Tiefsten doch immer alle nach dem Wertvollen und nach Sinn suchen. In einem Unternehmen ist es oft nicht so einfach, das wirklich Sinnstiftende zu entdecken. Begriffe wie Vision und Leitbild scheinen etwas verbraucht zu sein, doch dahinter steht die Notwendigkeit in einem Unternehmen immer wieder klar zu bekommen, welches sind die „Werte“ die hier wirken, ja verwirklicht werden:

Zuerst: Was tun wir hier – und das ist oft ganz praktisch in der Wertschöpfungskette zu beachten. Oder in der Struktur, in den Abläufen, in den Fragen des Energieeinsatzes und der Ressourcenverwendung. Aber auch: Wie werden Gewinne verwendet oder wie Verluste kompensiert.

Dann lässt sich die Sinnfrage auch ablesen, am „Erleben“ in einem Unternehmen: Wie geht es den Menschen dort? Mit wieviel Freude und Begeisterung sind sie tätig? Und wie geht es Menschen, wenn sie mit dem Unternehmen in Berührung kommen, als Kunden, als Lieferanten, als Angehörige der MitarbeiterInnen, als Eigentümer.

Und zuletzt: In welcher Haltung wird das Unternehmen geführt? In Respekt, in Nachhaltigkeit oder nur profitorientiert? Sind Menschen dankbarer, glücklicher, wenn sie mit diesem Unternehmen in Kontakt kommen? Welcher Geist lebt in und strahlt durch dieses Unternehmen?

CB: Besteht der Sinn für Unternehmen nicht vorrangig in der Suche nach profitablen Geschäftsfeldern, die auch langfristig zukunftsorientiert sind?

Christoph Schlick: Vordergründig ja, jedoch ist aus meiner Sicht ein Unternehmen erst dann wirklich erfolgreich, wenn es einen „Beitrag“ leistet für die Welt, die Gesellschaft, für einzelne Menschen. Profit ist eine Größe, die für den Bestand eines Unternehmens wichtig ist. Doch wenn es nur um Profit geht, werden Menschen auf der Strecke bleiben. Unternehmen, die wirklich langfristig Bestand haben, schaffen eine gute Balance zwischen Profit und Verantwortung für Menschen und für die Welt.

CB: Sie arbeiten nach der von dem Wiener Psychiater Viktor Frankl gegründeten Logotherapie. Ist dieser Ansatz auf Menschen und Unternehmen vergleichbar anwendbar?

Christoph Schlick: Da möchte ich hier aus dem großen Korb der Ansätze der sinnorientierten Therapie Frankls zwei Aspekte einbringen:

Erstens: Wir als Menschen, und ich meine wir können dies auch auf ein gutes Unternehmen übertragen, haben in uns einen immer gesunden Kern, aus dem wir fast unendlich Potenzial schöpfen können. Immer wieder gilt es, sich dieses inneren Wertes und dieser inneren Reservoirs bewusst zu werden. Damit meine ich weniger die rein wirtschaftlichen Ressourcen eines Unternehmens, sondern auch die Vielfalt der Ideen und Kräfte der Menschen, die hier beteiligt sind.

Zweitens: Wir sind immer wieder dafür verantwortlich, wie wir mit diesem kostbaren Potenzial und unseren Möglichkeiten, die in uns liegen und uns angeboten werden, umgehen. Frankl würde sagen: Wir sind verantwortlich für die Antwort, die wir auf das Angebot des Lebens, der Ressourcen und Kräfte, die uns zur Verfügung stehen, geben.

Wir sind frei zu wählen, ob wir sinnvoll oder unsinnig oder gar widersinnig leben. Wir haben die Wahl, im Kleinen und im Großen, tragen dafür aber auch die Verantwortung.

CB: Können Unternehmen für ihre Mitarbeiter und auch Kunden zu Sinnstiftern werden?

Christoph Schlick: Ja, ganz klar. Wir leben – und es geht einem Unternehmen, ganz egal ob klein oder groß nicht anders – in einem Netz von Beziehungen. Erst dieses Beziehungsnetz macht Leben sinnvoll. Deshalb braucht auch ein Unternehmen, wie eine Einzelperson, immer wieder das „Innehalten“ und das sich „Besinnen“ über seine Werte und seine Beziehungen.

Auch ein Unternehmen hat sich immer wieder der Frage zu stellen, was ist mein Auftrag, meine „Berufung“, natürlich in Balance zwischen wirtschaftlichem Erfolg und gesamtökonomischer Verantwortung. So wird die Sinnhaftigkeit eines Unternehmens auf lange Frist daran gemessen werden müssen, ob der einzelne Betroffene durch dieses konkrete Unternehmen, glücklicher, zufriedener, gelassener, gesünder, etc. wird.

CB: Der Logotherapie liegt ein Menschenbild zugrunde, das die Person in ihrer Freiheit und Verantwortung ernst nimmt. Können ökonomisch erfolgsorientierte Unternehmen einem solchen gerecht werden?

Christoph Schlick: Ich meine, dass ein Unternehmen als solches nie jemandem „gerecht werden“ kann. Es sind immer wieder die Menschen, ob als Eigentümer, Führungskräfte, Mitarbeiter oder Kunden, die sich der Frage ihrer Verantwortung stellen müssen. Und dabei verstehe ich Verantwortung als immer neuen Versuch, Antwort zu geben auf die Herausforderung der ganz aktuellen Situation. Was ist gerade jetzt von mir – egal in welcher Position dieser Kette – gefordert. Und dafür muss ich mir immer wieder meiner ganz persönlichen Werte bewusst werden!

CB: Wie anders arbeiten und agieren Menschen in sinnorientierten Unternehmen?

Christoph Schlick: Meine Erfahrung ist, dass in solchen Unternehmen MitarbeiterInnen mit viel mehr Freude und Begeisterung bei ihrer Arbeit sind. Dadurch steigern sich natürlich auch der Einsatz und die Identifikation mit dem Unternehmen. Als Folge ergeben sich auch, das sagen viele einschlägige Studien, eine erhöhte Produktivität und eine viel geringere Anfälligkeit für Erkrankungen oder andere Ausfälle.

Oft sprechen wir über die sogenannte Life-Work-Balance, ein Begriff, den ich gerne in Frage stelle. Denn Vollzeit arbeitende Menschen verbringen einen großen Teil ihrer Zeit im Unternehmen: Ist das denn kein „Leben“? Kann ich Arbeit und Leben wirklich trennen? Wenn es gelingt, die Arbeitszeit als wertvolle und sinnvoll eingesetzte Lebenszeit zu empfinden, sind Menschen glücklicher und Unternehmen erfolgreicher.

CB: Wie definieren Sie aus sinnstiftender Sicht die Erfolgsfaktoren von Unternehmen?

Christoph Schlick: Erfolg ist immer die Folge von etwas. So muss ich zumindest auf zwei Aspekte schauen: Was wird „getan“ und was ist die „Wirkung“. Wenn beide Bereiche mit einem gesellschaftlich und ökologisch verantwortbaren, nachhaltigen Wertesystem in Einklang sind, werden die Faktoren sichtbar, an denen ich Erfolg messe: Zufriedenheit, Dankbarkeit, Gelassenheit und ohne weiteres auch den finanziellen Erfolg und die dadurch erreichte Stabilität und Sicherheit.

CB: Sinn finden, heißt Werte haben - doch wie steht es mit Unternehmen in inhumanen oder ökologisch bedenklichen Wirtschaftssegmenten wie Rüstung oder Fracking?

Christoph Schlick: Das führt mich zurück zu Ihrer ersten Frage: Für mich steht in einem Unternehmen immer der Mensch im Mittelpunkt. Und Menschen die in einem solchen Umfeld arbeiten – und vielleicht gar keine andere Arbeitsmöglichkeit haben – brauchen ganz besondere Begleitung und Unterstützung.

Achtung und Respekt – vor anderen Menschen und vor der Natur, die uns alle trägt –, sind für mich nicht verhandelbare Werte. Es wäre sicher spannend, sich einmal mit der Klärung von Unternehmenszielen, mit Wert und Sinn in einem solchen unternehmerischen Kontext zu beschäftigen. Bisher hatte ich in meiner Arbeit als Berater damit aber noch keine direkte Berührung.

CB: Vielen Dank.

www.christophschlick.com

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