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Hund Hendrik IBA(13. September 2017) Die Arbeitswelt der rund 21 Millionen Büroangestellten in Deutschland befindet sich in einem radikalen Wandel. Neue Formen der Zusammenarbeit – Stichwort Digitalisierung und New Work – erfordern ganzheitliche Lösungen bei Bürokonzepten, Arbeits- und Kommunikationsstrukturen.

 

Ob die deutschen Büros diesen Anforderungen bereits gerecht werden, hat jetzt das Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag des Industrieverband Büro und Arbeitswelt e. V. (IBA) in einer repräsentativen Umfrage zum Thema „Wohlbefinden am Arbeitsplatz“ untersucht. „Experten“ sind hier die deutschen Büroarbeitnehmer selbst. Über 1.000 Bürobeschäftigte wurden danach befragt, wie stark sich ihre Arbeitsumgebung in den letzten Jahren verändert hat, auf welche „Wohlfühlfaktoren“ es ihnen ankommt und wie ihr Arbeitsplatz tatsächlich ausgestattet ist.

Das Ergebnis ist zunächst einmal sehr positiv: 78 Prozent der Befragten sind mit der Ausstattung und Einrichtung ihres Arbeitsplatzes zufrieden. Besonders zufrieden sind die Altersgruppe der 35- bis 49-Jährigen sowie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Einzelbüros. Gerade diese laufen aber Gefahr, von der Entwicklung der Arbeitswelt abgehängt zu werden. Während insgesamt wenigstens 36 Prozent der Arbeitnehmer angaben, dass ihr Arbeitsumfeld, also der eigene Arbeitsplatz oder die zusätzlich zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten, an die veränderten Anforderungen moderner Büroarbeit angepasst wurden, konnten unter den Inhabern von Einzelbüros nur noch 29 Prozent von entsprechenden Veränderungen berichten.

Dynamischer Wandel der Anforderungen
Unabhängig von der Raumform zeigen die Befragungsergebnisse sowohl grundsätzlichen Nachholbedarf als auch neue Anforderungen hinsichtlich der durch New Work geprägten Büroarbeitsplätze. So gibt nach wie vor fast jeder fünfte Büroarbeitnehmer an, keinen bequemen Bürostuhl zu haben, obwohl dieser für nahezu alle Befragten zu den wichtigen oder sehr wichtigen Wohlfühlfaktoren zählt. Ähnlich hoch ist die Bedeutung angenehmer Temperaturen. Hier sehen sogar knapp 40 Prozent noch deutlichen Verbesserungsbedarf.

Doch auch in den Bereichen, die Kennzeichen der New Work sind, gibt es große Diskrepanzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit. So fehlen bei fast 60 Prozent der Büroarbeitnehmer Rückzugsbereiche für konzentriertes Arbeiten, obwohl diese für vier von fünf Befragten wichtig oder sehr wichtig sind. Ein niedriger Geräuschpegel lässt sich immerhin bei rund 60 Prozent der Büroarbeitsplätze einhalten. Die Zahl kommt allerdings nur zustande, weil viele Arbeitnehmer in Ein- und Zweipersonenbüros arbeiten. Schon ab drei Personen in einem Büro sinkt die Zufriedenheit deutlich ab. Dabei gehört ein niedriger Geräuschpegel für fast alle Beschäftigten zu den unabdingbaren Merkmalen guter Arbeitsplatzgestaltung.

Ähnlich sieht es mit ansprechenden Kommunikations- und Pausenbereichen aus – zwei Drittel der Beschäftigten wünschen sich diese, weniger als der Hälfte stehen sie zur Verfügung. Dabei stellt der Wandel der Arbeit gerade hier besonders hohe Anforderungen. Nach Berechnungen des IBA entfallen derzeit 42 Prozent der Arbeitszeit auf kommunikative Tätigkeiten in Form von Netzwerken oder Projekt- und Teamarbeit.

Bevorzugter Einrichtungsstil: praktisch und funktional
Ein weiteres Thema der Studie war, welcher Einrichtungsstil den größten Wohlfühleffekt bietet. Blickt man beispielsweise ins amerikanische Silicon Valley, sind der Kreativität dort fast keine Grenzen gesetzt. Viele Büros der großen Technologieunternehmen zeichnen sich durch eine ausgeprägte Wohlfühl-Atmosphäre aus und erinnern oftmals an WG-Küchen oder Spielzimmer. Die aktuelle forsa-Studie des IBA zeigt demgegenüber, dass fast drei Viertel der Bürobeschäftigten in Deutschland ein eher praktisch und funktional eingerichtetes Arbeitsumfeld bevorzugen. Ein vor allem modernes oder eher gemütliches Ambiente wünschen sich dagegen in erster Linie die unter 35-jährigen Befragten.

Wohlfühlen, Produktivität und Loyalität
Bereits 2014 hatte das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) im Rahmen der Studie „Office Settings“ ermittelt, dass es einen starken Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit mit der Büroumgebung und dem Wohlbefinden, der Motivation sowie der Identifikation mit dem Unternehmen gibt. Wie wichtig die Büroqualität auch bei der Personalsuche ist, hatte bereits die IBA-/bso-Studie 2013/14 gezeigt. Für 62 Prozent der Befragten war ein attraktiv ausgestatteter Arbeitsplatz ein wichtiges Auswahlkriterium im Rahmen der Jobsuche. Und auch das Ergebnis der aktuellen IBA-Studie verdeutlicht: Unternehmen, die in die Arbeitsumgebung ihrer Mitarbeiter investieren, können von zufriedeneren und leistungsfähigeren Mitarbeitern profitieren. So sind sich vier von fünf Arbeitnehmern (78 Prozent) sicher, dass das Wohlbefinden am Arbeitsplatz ihre Produktivität direkt beeinflusst, fast alle Übrigen (21 Prozent) halten dies zumindest für möglich.

Investitionen bleiben wichtig
„In Zeiten der Digitalisierung ist es für Unternehmen wichtig, ihren Bürobeschäftigten ein Arbeitsumfeld zu bieten, das den veränderten Herausforderungen entspricht. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit der Mitarbeiter mit der Büroumgebung und deren Produktivität“, sagt der Vorsitzende des IBA, Hendrik Hund (Bild). „Viele Arbeitgeber haben das mittlerweile erkannt und investieren bereits in entsprechenden Lösungen.“ Dass sich dieses Engagement lohnt, zeigen die Antworten auf ein weiteres Fragenfeld im Rahmen der aktuellen IBA-Studie. Drei von vier Beschäftigten, deren Arbeitsumfeld in den letzten Jahren umgestaltet wurde, empfinden die Veränderung als Bereicherung. Offensichtlich setzt die Mehrzahl der Investitionen aus Sicht der Beschäftigten an der richtigen Stelle an.

Verpasste Chance: Mitarbeiterbeteiligung
Noch höhere Zufriedenheitswerte wären vermutlich zu erzielen, wenn mehr Beschäftigte ein Mitspracherecht bei der Gestaltung ihrer Büros hätten. Zwar haben knapp zwei Drittel der Arbeitnehmer und Arbeit-nehmerinnen die Möglichkeit, ihren Arbeitsplatz individuell zu gestalten und zu dekorieren, an der Auswahl von Schreibtischen (24 Prozent) und Bürostühlen (36 Prozent) wird aber nur eine Minderheit beteiligt. Auch bei der technischen Ausstattung ist der Einfluss der Beschäftig-ten gering (31 Prozent). Hier zeigt sich vielleicht der tiefste Kulturunterschied zwischen deutschen Unternehmen und dem Silicon Valley. Zu den Eindrücken im Rahmen ihrer letzten Besuche dortiger Unternehmen befragt, berichtete die Hamburger Trendexpertin Birgit Gebhardt in einem Interview mit dem IBA von Automaten, aus denen sich die Beschäftigten bei Bedarf neue Laptops, Tastaturen und andere IT-Ausstattungen ziehen können. Ihr Eindruck, dass diesbezüglich in deutschen Unternehmen noch eher Zuteilung vorherrscht, wird durch die jetzt vorliegenden Befragungsergebnisse gestützt. Fast gänzlich dem Einfluss der Beschäftigten entzogen, scheint hierzulande auch die Gestaltung von Pausen- und Besprechungsbereichen zu sein. Zu die-sen berichteten nur 15 Prozent beziehungsweise 16 Prozent von einem Mitspracherecht.

Insgesamt ziehen die Experten des IBA ein positives Fazit aus den Befragungsergebnissen. Ein bisschen mehr Mut zu neuen Wegen bei der Arbeitsplatzgestaltung und mehr Dynamik bei der Umsetzung wäre aus Sicht der Studienmacher aber durchaus angebracht.

www.iba.online

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