(21. April 2020) Bei Angst neigen die Chefs oft zu Fehlentscheidungen und wenn diese zu gravierend sind, droht dem Unternehmen schnell das Aus. David Rölleke (Bild) ist erfahrener PR- und Krisenmanager. Einige Fehler von Unternehmern sind ihm in den letzten Wochen immer wieder aufgefallen.

Roelleke David Quelle David RoellekeHier sind die 5 häufigsten Fehler, die man während der Corona-Krise begehen kann:

1) Sofortiges handeln

Als Führungskraft muss man zwar schnell eine Reaktion hervorbringen, diese darf aber keinesfalls unüberlegt sein. Jeder Zug innerhalb des Unternehmens muss gut durchdacht werden. Beispielsweise darf man keineswegs zu schnell Arbeitsplätze in Frage stellen. Ebenso sollte man dafür sorgen, dass die Beschäftigten erst dann von Änderungen erfahren, wenn diese sicher festgelegt und wohl durchdacht sind. Zu häufig neue Änderungen und immer neue Maßnahmen einzubringen schafft unnötige Sicherheit. Achten Sie als Führungskraft auch immer auf die Wortwahl und den Zeitpunkt, wann Sie Änderungen verkünden.

2) Es wird nicht auf Experten gehört

Viele Führungskräfte machen sehr oft den Fehler, keinen Experten in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Oft ist es so, dass Chefs es für unnötig halten, einen Experten um Rat zu bitten. Viele Führungskräfte halten das für Geldverschwendung oder empfinden sich selbst als weniger wichtig, wenn ein Experte bei der Entscheidung abhilft. Genau hier liegt der Fehler. Gute Führungskräfte orientieren sich nicht an der eigenen Meinung, sondern handeln so, wie es die Situation gerade verlangt. Vor allem jetzt während der Corona-Krise ist die Meinung eines Experten genau das, was für viele Unternehmen von großem Vorteil sein kann.
Wenn es also um die Kommunikation mit dem Finanzamt oder Behörden allgemein geht, sollte man einen Anwalt oder Steuerberater an den Zug lassen.

3) Den Mitarbeitern werden falsche Versprechungen gemacht

Einer der größten Fehler in der Kommunikation zwischen den Führungskräften und den Mitarbeitern sind zu große Versprechungen, die das Unternehmen möglicherweise nicht einhalten kann. Beschäftigte sind trotz Corona-Krise nicht bereit jede Entscheidung hinzunehmen. Hier kommt der Betriebsrat ins Spiel, der mit glaubwürdigen Argumenten vor allem für klare Kommunikation sorgen muss. Auch wenn alle Mitarbeiter das Modell der Kurzarbeit hinnehmen, ist die Arbeit damit noch längst nicht getan. Mit den ersten Erfolgen dürfen sich die Führungskräfte nicht zufrieden geben. Für ein nachhaltiges positives Arbeitsklima muss man den Beschäftigten vor allem kommunizieren, dass das Modell der Kurzarbeit nur eine vorübergehende Maßnahme ist, die Arbeitsplätze während der laufenden Krise sichern soll und das diese Lösung keinesfalls künftig bleiben wird. Das Modell der Kurzarbeit wird mit staatlichen Krediten flankiert. Das sollte den Mitarbeitern erklärt werden. So vermeidet man, dass der Eindruck entsteht, die aktuelle Krise würde ausschließlich auf dem Rücken der Mitarbeiter bekämpft.

4) Zu denken, man habe das Problem im Griff

Aktuell besteht eine unvorhersehbare wirtschaftliche Situation. Viele Unternehmen meinen, es liegt nur eine temporäre Schwierigkeit vor, die sich in 1-2 Monaten wieder legt und alles ist beim alten. Das ist momentan leider alles andere als sicher. Deswegen benötigen die Unternehmen so viel Hilfe von Experten, wie sie kriegen können. Zu glauben, man hätte die bevorstehende Entwicklung der Situation im Griff, kann für das Unternehmen eine Katastrophe darstellen.
Auch innerhalb der Kommunikation mit den Mitarbeitern sollte der Verlauf der aktuellen Krise keinesfalls unterschätzt werden. Vermeiden Sie als Führungskraft vor allem Aussagen wie „das wird schon“ oder „wir haben alles unter Kontrolle“. Mitarbeiter sollten immer Klarheit über den wahren Zustand behalten dürfen, nicht allein deswegen, weil sie durch Medien eh auf dem Laufenden gehalten werden.

5) Die Verantwortung wird abgegeben

Die Bewältigung der aktuellen Corona-Krise ist Sache der Führungskräfte. Das steht außer Frage. Als Chef darf man nicht allein aus Gemütlichkeit die Verantwortung oder auf das Unternehmen bezogene Entscheidungen anderen überlassen, nur damit man im Notfall sagen kann, dass jemand anders die Verantwortung für eine schlechte Lösung trägt. Um ein Unternehmen erfolgreich aus der Krise zu holen, sollte Rat von außen in alle Entscheidungen einbezogen werden, keinesfalls aber sollte die Verantwortung auf jemanden übertragen werden. Das sorgt für Unruhe und Unsicherheit unter den Beschäftigten.
Statt Unsicherheit zu verbreiten, muss Stabilität geboten werden. Das erreicht eine Führungskraft, indem sie alle in den aktuellen Stand mit einbezieht und ausreichend informiert. Allem Anschein entgegen, fühlen sich Mitarbeiter sicherer, wenn sie laufend neue Information erhalten und ihnen das Gefühl vermittelt wird, dass sie in die Entscheidungen des Unternehmens integriert werden. Schließlich sind es eben diese Mitarbeiter, die das Unternehmen auch in Zeiten der Corona-Krise am Laufen halten.

Durch die sich laufend ausbreitende Corona-Krise sind nicht nur Führungskräfte, sondern auch Mitarbeiter nervös. Niemand kann sagen, wie es weiter gehen wird und wann man wieder mit Normalität im Alltag rechnen kann. Ob das einzelne Unternehmen die Krise überleben wird oder nicht ist leider nicht vorhersehbar, wenigstens so lange nicht feststeht, wann wieder Normalität einkehren wird.
Sorgen Sie als Führungskraft unbedingt für einen guten Draht zu den Mitarbeitern, für Vertrauens-würdigkeit und so viel Ruhe wie möglich. Motivation unter den Mitarbeitern ist das, was momentan für positive Lösungen sorgt. Damit diese Motivation beibehalten wird, ist Transparenz gefragt. Sorgen Sie zusammen mit ihren Mitarbeitern für konkrete und sinnvolle Entscheidungen.

www.david-roelleke.de

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