(25. Januar 2019) Big Data, Internet of Things und Künstliche Intelligenz/Machine Learning sind die Top 3 Digitalisierungsthemen bei den Mitgliedern der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG). In diesen Bereichen haben SAP-Anwender Projekte geplant oder bereits begonnen. Das hat der DSAG-Investitionsreport 2019 ergeben.

 

Lenck Marco Vorstand DSAGBei den Digitalisierungsbestrebungen in ihren Unternehmen sind die Befragten skeptischer als noch vor einem Jahr. Die Business Suite auf S/4HANA umzustellen ist für eine Vielzahl der befragten Unternehmen geplant. Nur die Umsetzung verläuft aktuell nicht so schnell wie erwartet und abgeschlossene Projekte sind noch nicht in großer Anzahl verfügbar.

DSAG-Mitgliedsunternehmen investieren nach wie vor allgemein in die IT. Bei 40 Prozent der Befragten steigt das Budget um rund 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei rund der Hälfte bleiben die Budgets gleich. Die Investitionen differenzieren sich nicht nach Branchen. Handel, Dienstleistungen und produzierendes Gewerbe verhalten sich ähnlich.

Budgets wandern in die Fachabteilung
SAP-Investitionen steigen in 42 Prozent der Unternehmen 2019 überproportional um 27 Prozent. Die Steigerungsrate fällt jedoch um 10 Prozent geringer aus als 2018 (37 Prozent). Neu abgefragt wurde in diesem Jahr, ob das Budget für Software-gestützte Geschäftsprozesse von der Fachabteilung bereitgestellt und verantwortet wird. In 28 Prozent der Fälle hat die Fachabteilung hier das Sagen. Das zeigt, dass durch die Digitalisierung die Verantwortung und auch das Know-how für die Abbildung von Geschäftsprozessen in die Fachabteilungen wandert und damit auch das Budget. In 41 Prozent der Unternehmen liegen die IT-Budgets weiterhin bei der IT. Sie folgen damit der klassischen Aufgabenteilung.

Big Data ist der Hit
In fast der Hälfte der Unternehmen stehen Projekte im Bereich Big Data und Internet of Things auf der To-do-Liste bzw. sind bereits angestoßen. Ein Drittel der Befragten kümmert sich um Künstliche Intelligenz/Machine Learning. An vierter Stelle steht Robotic Process Automation. Mehrfachnennungen waren hier möglich. Aber nicht alle sind bei den aktuellen Trend-Themen dabei. Fast ein Fünftel der Unternehmen investiert nicht in diese Themen bzw. hat keine Projekte geplant.

Ernüchterung in Sachen Digitalisierung
Unternehmen sind zudem in der Einschätzung des eigenen Fortschritts bei der digitalen Transformation skeptischer geworden. Aktuell bewerten 62 Prozent den Status mit „nicht weit“. Im Vergleich zum Investitionsreport 2018 stellt dies eine Verschlechterung um 10 Prozent dar. Eine Erklärung kann sein, dass Unternehmen heute eine realistischere Einschätzung abgeben können, welche Projekte sie in diesem Zusammenhang zu stemmen haben und wie komplex diese sind. „Die Themen lassen sich heute besser greifen und damit auch, welche organisatorischen oder technischen Brocken bei den Digitalisierungsvorhaben noch vor den Unternehmen liegen. Als DSAG wollen wir hier weitreichende Hilfestellungen geben in Form von Wissensvermittlung und Erfahrungsaustausch. Wir wollen aber auch auf SAP Einfluss nehmen, damit geeignete Lösungen geschaffen werden“, merkt Marco Lenck (Bild), Vorstandsvorsitzender der DSAG, an. Ein weiteres Hemmnis kann die Unsicherheit bezüglich anfallender Kosten im Rahmen von Digitalisierungsvorhaben sein. „Wir brauchen ein atmendes, in beide Richtungen skalierbares Lizenzmodell, das sich am Business-Nutzen orientiert“, so die DSAG-Forderung in Richtung SAP.

Investitionen in SAP-Produkte: ERP und Cloud
Bezüglich der Relevanz von SAP-Produkten lautet ein Ergebnis: Die Business Suite ist in vielen Unternehmen bereits ausgereift. Hauptinvestitionen in die ERP-Lösung nehmen daher das dritte Jahr in Folge und auch deutlich ab (2017: 33 Prozent, 2018: 29 Prozent, 2019: 10 Prozent). Die Investitionen in S/4HANA steigen aber nicht in gleichem Maße. Sie verharren auf 14 Prozent.

Teilweise wandern die frei gewordenen Budgets in Cloud-Lösungen. 16 Prozent der Unternehmen planen mittlere und hohe Investitionen in SuccessFactors. Der Wert liegt auf Vorjahresniveau. Die SAP Analytics Cloud ist mit einem Plus von 6 Prozentpunkten deutlich auf 9 Prozent gewachsen. Die SAP Cloud Platform verdoppelt sich bei den mittleren Investitionen auf 8 Prozent. Die Planungslösung Integrated Business Planning bringt es ebenfalls auf 8 Prozent. C/4HANA, worunter sich Lösungen wie Hybris vereinen, ist 12 Prozent der Unternehmen mittlere und hohe Investitionen wert. Darüber hinaus investieren DSAG-Mitglieder in Projekte zu den genannten Schwerpunkten Big Data, Internet of Things, Künstliche Intelligenz/Machine Learning und Robotic Process Automation.

Planung ja, Durchbruch nein
Wie jedes Jahr wurden die Mitglieder zur Umstellung der Business Suite auf S/4HANA befragt. An den Zahlen lässt sich ablesen, dass die Unternehmen weitreichende Pläne in dieser Hinsicht haben. 5 Prozent wollen in diesem Jahr noch umstellen. 39 Prozent in den kommenden drei Jahren (+6 Prozentpunkte). Weitere 30 Prozent nach diesem Zeitraum (+10 Prozentpunkte). „Bis auf ein Viertel haben die Firmen eine klare Entscheidung für die Umstellung getroffen“, deutet Marco Lenck die Ergebnisse. „Trotzdem stockt die Rate derer, die Projekte realisiert haben. Diese bleibt bei 3 Prozent“. Das könnte daran liegen, dass Firmen aktuell Projekte initiieren, die länger dauern, oder auf Brownfield-Implementierungen setzen, bei denen der Komplettumzug von einem System ins andere komplex ist. Oft wurde aber auch der Aufwand zunächst falsch eingeschätzt.

Bestehende Geschäftsprozesse weiterhin im Fokus
In Zusammenhang mit Investitionen für Digitalisierungsbestrebungen differenzieren DSAG-Mitgliedsunternehmen weiterhin zwischen bestehenden und neuen Geschäftsmodellen. Der Fokus auf bestehende Geschäftsprozesse ist dabei erneut gestiegen (+5 Prozentpunkte) und erreicht damit 90 Prozent. „Viele Unternehmen beschäftigen sich mit dem ERP und das bedeutet, sie betrachten bestehende Geschäftsprozesse. Das erklärt die hohe Anzahl an geplanten S/4HANA-Projekten, wird S/4HANA doch oftmals mit Digitalisierung gleichgesetzt“, erklärt Marco Lenck. Investitionen in neue Geschäftsmodelle schätzen über zwei Drittel der Befragten als wichtig ein. Damit steigt ihre Relevanz um 2 Prozentpunkte.

Fazit: Gemeinsam aufklären
Aus den Ergebnissen des DSAG-Investitionsreports 2019 lassen sich folgende Forderungen und Aufgaben ableiten: Es braucht weiterhin Aufklärungsarbeit zur Digitalisierung in den Unternehmen. Hier fehlen hauptsächlich anschauliche Beispiele und Best Practices. Die DSAG legt hierauf einen Schwerpunkt in diesem Jahr. Dazu Marco Lenck: „Gemeinsam mit SAP wollen wir daran arbeiten, DSAG-Mitglieder mit wertvollen Informationen und Einschätzungen zum Lizenzmodell, zu S/4HANA, C/4HANA und weiteren Lösungen, mit denen sich Digitalisierungsvorhaben realisieren lassen, zu unterstützen.“ Aber: Auch wenn die Bedeutung von S/4HANA weiter zunimmt, die Business Suite hat nach wie vor Bestand: „SAP-Kunden, die mit der Umstellungsgeschwindigkeit nicht mithalten können, dürfen nicht abgehängt werden, etwa durch eine deutliche funktionale Ausdünnung der Business Suite“, fordert Marco Lenck. „Es wird noch eine lange Übergangszeit geben, in der beide Lösungen zum Einsatz kommen.“ Thematisch wird sich die DSAG 2019 weiterhin verstärkt um Big Data, Internet of Things und Künstliche Intelligenz/Machine Learning kümmern, um ihre Mitglieder fit für die Digitalisierung zu machen.

www.dsag.de

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