(06. März 2019) Der Trend ist eindeutig: Bei der Modernisierung ihrer IT-Altsysteme setzen die meisten Unternehmen auf Geschwindigkeit und verzichten auf langwierige Konsolidierungs- und Harmonisierungsprojekte. Vielmehr bevorzugen sie die direkte Migration der Anwendungen in die Cloud, wo sie anschließend u.a. mit Microservices und APIs modernisiert werden.

 

Zillmann Mario Luenendonk PartnerAllerdings finden viele IT-Modernisierungsvorhaben (38 %) derzeit nicht unternehmensübergreifend statt, sondern nur in einzelnen Geschäftsbereichen. Lediglich jedes fünfte Unternehmen hat derzeit eine IT-Modernisierungsstrategie in der Umsetzung, die die gesamte IT-Landschaft einbezieht. Dies sind erste Ergebnisse der aktuellen Lünendonk®-Studie „Fit für die digitale Transformation – Status quo und Ziele bei Legacy-Modernisierung und Cloud-Migration“. Die Studie ist in fachlicher Zusammenarbeit mit Arvato Systems, Kobaltblau und Warth & Klein Grant Thornton entstanden.

Verzögerte IT-Modernisierung behindert digitale Transformation

Der Druck zur IT-Modernisierung ist nun nach Jahren der Verzögerung entsprechender Projekte enorm hoch. „So war in den letzten Jahren häufig zu beobachten, dass viele Unternehmen die Mammutaufgabe der Modernisierung ihrer Altsysteme vor sich hergeschoben haben – nicht etwa weil sie die Notwendigkeit nicht gesehen haben. Vielmehr ist die Komplexität von IT-Modernisierungsvorhaben oft so hoch, dass sich das Risiko nicht einschätzen ließ und folglich Budgets nicht bewilligt wurden“, beschreibt Mario Zillmann (Bild), Partner bei Lünendonk & Hossenfelder und Studienautor, die Situation. Vor allem die vielen Abhängigkeiten zwischen den heterogenen und weit in die Unternehmensprozesse verzweigten Anwendungen sind ein Grund, warum stabil laufende Systeme nicht angepackt wurden.

Hinzu kommt als große Herausforderung im digitalen Zeitalter, dass die meisten IT-Landschaften einen monolithischen Charakter haben und historisch gewachsen sind. So besteht häufig die Situation, dass einzelne Geschäftsbereiche und Tochtergesellschaften eigene ERP-Systeme und Datenbanken im Einsatz haben, die untereinander nicht immer synchronisiert sind und folglich keinen Datenaustausch ermöglichen beziehungsweise diesen stark erschweren. Zum Beispiel haben 32 Prozent der befragten Unternehmen mehr als 20 ERP-Systeme im Einsatz und 37 Prozent sogar mehr als 5 CRM-Anwendungen. „Diese Heterogenität hat so lange gut funktioniert, bis im Zuge der Digitalisierung der Austausch von Daten über mehrere Geschäftsbereiche, IT-Systeme und Unternehmensgrenzen hinweg notwendig geworden ist“, so Zillmann.

Mangelhafter Datenaustausch behindert digitale Geschäftsmodelle

Eine unmittelbare Folge der heterogenen IT-Landschaften ist in fast jedem zweiten befragten Unternehmen der geringe Grad der Vernetzung der verschiedenen Systeme und die Tatsache, dass damit kein automatisierter Austausch von Informationen zwischen den einzelnen Kernanwendungen stattfindet. Das hat Auswirkungen auf den Erfolg einer digitalen Transformation. „Digitale Geschäftsmodelle werden beispielsweise dadurch erschwert, dass es im E-Business oft keine Verknüpfung von eingegebenen Bestelldaten im Frontendportal mit Informationen zur Lieferzeit aus den ERP-Systemen gibt“, beobachtet Mario Zillmann. „Eine Auftragsverfolgung in Echtzeit ist für den Kunden daher nicht ersichtlich.“

Auf der Prozessebene führt eine heterogene Systemlandschaft beispielsweise zu Prozessbrüchen und unterschiedlichen Datenmodellen. Automatisierungsziele durch automatisierte Workflows können folglich nicht erreicht werden, wenn die Systeme nicht vollumfänglich miteinander kommunizieren und kontinuierlich Daten austauschen. Ebenso scheitert der Einsatz von Künstlicher Intelligenz aktuell sehr oft an der Data Governance. Daten werden immer stärker zur Grundlage strategischer und operativer Entscheidungen, etwa bei der Routenplanung und Passagiersteuerung in der Logistik und im Fernverkehr oder für eine vorausschauende Unternehmenssteuerung, um Risiken frühzeitig erkennen zu können. „Für treffgenaue Vorhersagen braucht es aber gute und vor allem richtige Daten und ein einheitliches Datenmodell.“

Strategien zur IT-Modernisierung

Alle befragten CIOs und IT-Leiter haben jedoch konkrete Pläne, um ihre ERP-Landschaft zu modernisieren und auf veränderte Abläufe und Geschäftsprozesse neu auszurichten. Allerdings unterscheiden sich die Unternehmen hinsichtlich der Wahl der Modernisierungsstrategien deutlich. Während die eine Hälfte der befragten IT-Entscheider auf die Konsolidierung der ERP-Systeme setzt beziehungsweise diese bereits abgeschlossen hat, hält die andere Hälfte der CIOs von einer Konsolidierung Abstand. „Dabei scheint es laut den Studienergebnissen durchaus eine kritische Grenze zu geben, wann sich eine Konsolidierung der ERP-Systeme betriebswirtschaftlich nicht mehr lohnt“, so Zillmann. „Demnach sind es häufig Unternehmen mit mehr als zehn ERP-Systemen im Einsatz, die von einer ERP-Konsolidierung absehen.“ Einen klaren Trend zeigen die Studienergebnisse jedoch bei der Wahl der künftigen Deployment-Strategie. Bei der Modernisierung ihrer ERP-Systeme bevorzugen 65 Prozent der befragten Unternehmen die Migration der Anwendungen in die Cloud, während 19 Prozent ihre ERP-Lösungen im bestehenden On-premise-Modell modernisieren. Dagegen planen sogar 71 Prozent der Unternehmen, ihre CRM-Systeme in die Cloud zu migrieren.

Unternehmen investieren in die Cloud

Während jedes fünfte untersuchte Unternehmen bereits eine Cloud-First-Strategie hat, gaben 28 Prozent der befragten IT-Entscheider an, mittelfristig das Cloud-Sourcing im IT-Betrieb zu bevorzugen. Der Anteil der Unternehmen mit einer Cloud-First-Strategie ist bei den befragten Unternehmen mit mehr als eine Milliarde Euro Umsatz dabei deutlich höher.

Der Trend zum Cloud-Sourcing lässt sich auch an der Analyse der aktuellen Sourcingstrategien der befragten Unternehmen ablesen. Laut den Studienteilnehmern werden durchschnittlich 57 Prozent der Anwendungen im klassischen Sourcing, also On-premise, betrieben. Der Anteil der Cloud am Anwendungsbetrieb liegt demnach bei 43 Prozent, wobei die Private Cloud derzeit mit einem Anteil von 28 Prozent am gesamten Sourcingmix dominiert.

Allerdings zeigen die Planungen der befragten IT-Entscheider, dass künftig größere Teile der IT-Landschaften aus der Public Cloud heraus betrieben werden. So investieren 17 Prozent der Unternehmen „sehr stark“ und weitere 50 Prozent „stark“ in die Migration von IT-Systemen in die Public Cloud beziehungsweise in die Anschaffung von neuen IT-Komponenten, die aus der Public Cloud heraus bereitgestellt werden. Jedoch wird die Private Cloud eine wichtige Sourcingoption bleiben, denn 57 Prozent der befragten Unternehmen erhöhen 2019 ihre Investitionen in den Aufbau von Private-Cloud-Umgebungen. Solche Cloud-Transformationsprojekte sind in der Regel sehr komplex sowie kosten- und ressourcenintensiv. Darüber hinaus muss der operative Betrieb des Tagesgeschäfts während solcher Transformationsvorhaben sichergestellt sein. Daher überrascht es aus Sicht von Lünendonk auch nicht, dass das Thema Hybrid Cloud aktuell noch eine untergeordnete Rolle spielt. 42 Prozent der befragten CIOs und IT-Manager gaben an, dass ihre Unternehmen sich in den kommenden Jahren gar nicht mit dem Thema der Orchestrierung der verschiedenen Sourcingmodelle befassen.

http://www.luenendonk.de

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