(12. Februar 2020) Die digitale Transformation kann für ein Unternehmen Fluch und Segen zugleich sein. So gehören zu den positiven Auswirkungen des digitalen Wandels unter anderem beschleunigte und vereinfachte Datenverarbeitung, mehr Transparenz, sinkende Prozesskosten sowie Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Markt.

Niermann Dr Heike Quelle good healthcare group

Doch neben den zahlreichen Vorteilen stellt dieser Prozess auch eine Herausforderung dar. So kann der digitale Umstieg die Adaptations- sowie Organisationsfähigkeit eines Unternehmens auf die Probe stellen. Daher ist es ratsam, die einzelnen Schritte im Vorfeld sorgfältig zu planen. Mit welchen Methoden kann die digitale Transformation also in die Praxis umgesetzt werden? Wie können die eigenen Mitarbeiter abgeholt und mit den neuen Tools vertraut gemacht werden? Welche Kompetenzen gelten für die Führungskräfte dabei als besonders relevant? Der aktuelle DIG IN Digitaler Healthcare Index 2019 von Healthcare Frauen (HCF) e.V. stellt zu diesen Fragen studienbasierte Daten bereit, die einen umfassenden Blick auf die Digitalisierungsprozesse in der Gesundheitsbranche ermöglichen. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen dazu, Methoden zu entwickeln und entsprechend anzuwenden.

Eine abteilungsübergreifende Gesamtstrategie einführen
Auf dem Weg zur Digitalisierung erweist sich eine übergreifende Gesamtstrategie, die alle Ebenen innerhalb des Unternehmens miteinander vernetzt, als notwendig. Auf diese Weise können neue Prozesse mit bisherigen Arbeitsverläufen reibungslos verknüpft oder ausgetauscht werden. Für Führungskräfte ist es also empfehlenswert ein konkretes Ziel zu formulieren und regelmäßig eine konstruktive Rückmeldung an alle Abteilungen zu geben.
Dementsprechend bedeutet digitale Führungskompetenz, offen für neue Meinungen und Vorschläge zu sein sowie die aktive Partizipation der Mitarbeiter zu fördern. Laut dem DIG IN Digitaler Healthcare Index 2019 übernimmt aktuell jedoch bei drei Vierteln der Unternehmen das Top-Management die strategische Führung, während bei weniger als der Hälfte der Befragten auch das mittlere Management an dieser Aufgabe beteiligt ist. Lediglich bei 43 Prozent der Unternehmen aus der Gesundheitsbranche findet eine Ausweitung auf weitere Instanzen statt.

Im Zusammenhang mit der strategischen Führung spielt auch die interne Kommunikation eine wichtige Rolle und gilt als Schlüssel zur Veränderung der Unternehmenskultur im Prozess der Digitalisierung. Ein regelmäßiger Austausch zwischen dem Management und den restlichen Teams ist dabei wichtig und sollte in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden. Für ein agiles Unternehmen ist es daher ratsam, den internen Austausch als Dialog zu betrachten und den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, ihre Probleme und Wünsche ebenfalls zu äußern.
Neben fortlaufenden Umfragen kann ein transparent gestalteter Umstrukturierungsvorgang dazu beitragen,
Vertrauen auf allen Ebenen zu schaffen. Zurzeit wird jedoch eine Kommunikation auf Augenhöhe zwischen dem Top-Management und den cross-divisionalen Teams nur bei 12 Prozent der Unternehmen aus der
Gesundheitsbranche umgesetzt.

Mitarbeiter an Bord holen und für mehr Transparenz sorgen
Der digitale Wandel im Unternehmen funktioniert also nicht ohne die Beteiligung des eigenen Teams. Um die
Mitarbeiter zur digitalen Veränderung zu motivieren, empfiehlt es sich, die Umstrukturierung des Unternehmens transparent zu gestalten und auf diese Weise mehr Vertrauen zu schaffen. Jeder dritte Vorgesetzte stellt fest, dass das vorhandene Fachwissen der Arbeitnehmer durch die schnelle Entwicklung überholt wird. Daher gestaltet es sich als schwierig, geeignete Fachkräfte zu finden. Demensprechend erwarten 56 Prozent der Unternehmer von ihren Angestellten lebenslange Lernbereitschaft. Da Unternehmen im digitalen Zeitalter agiler werden müssen, werden Fähigkeiten wie Eigenverantwortung, Selbstorganisation und Selbstführung immer wichtiger.
Führungskräfte, die hier als Coaches auftreten, können ihr Team dazu inspirieren, sich eigenständig und aktiv mit den neuen komplexen Arbeitsprozessen vertraut zu machen. Eine dahingehende Schulung entsprechender sozialer Kompetenzen, um das Unternehmen auch auf dem Weg zur Digitalisierung erfolgreich navigieren zu können, kann sich demnach für Führungskräfte lohnen und ist empfehlenswert.

Neue Tools aktiv nutzen
Viele Unternehmen aus der Gesundheitsbranche stehen noch relativ am Anfang ihrer digitalen Reise. Um das Ziel möglichst schnell zu erreichen, ist es für Konzerne wichtig eine hohe Innovationsbereitschaft aufzuweisen und neue Tools aktiv einzusetzen. Dazu zählen agile Methoden wie Kanban, Working Out Loud (WOL) oder Scrum. Hier ist es ratsam, Maßnahmen in Form von Fortbildungen zu den digitalen Werkzeugen einzuführen. So setzen bereits 72 Prozent der Gesundheitsunternehmen neue disruptive Technologien in Form von Big-Data-Analysen, die anhand einer Software systematische Auswertung großer Datenmengen gewährleisten, erfolgreich ein.

Digitale Transformation als Optimierungsprozess betrachten
Für Führungskräfte ist es demnach empfehlenswert einen neuen Blickwinkel im Unternehmen zu schaffen, der die Digitalisierung als Teil eines Optimierungsprozesses in den Fokus stellt, um die digitale Transformation
erfolgreich und vor allem gemeinsam im Team umsetzen zu können. Denn, der Wandel stellt dabei auch immer eine Chance zur Verbesserung der bisherigen Arbeitsprozesse dar. Der digitale Fortschritt beginnt beim Personal und dient als Mittel zur erfolgreichen Zusammenarbeit. Anhand der internen Kommunikation empfiehlt es sich, dem eigenen Team zu vermitteln, dass sie von der Digitalisierung nicht „betroffen“, sondern ein Teil davon sind. An dieser Stelle kann das Feedback der Mitarbeiter dazu genutzt werden, die Anwendung neuer Technologien ihren Bedürfnissen anzupassen und den damit einhergehenden Mehrwehrt zu vermitteln.

Autor: Dr. Heike Niermann (Bild), Chief Operating and Performance Manager good healthcare group

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