(27. April 2020) Nachhaltigkeit in der Produktbeschaffung ist für die Modeindustrie spätestens seit der Veröffentlichungspflicht eines CSR-Reports für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern in 2017 ein großes Thema. Wer diesen nicht nur aus Verpflichtung oder kosmetischen Gründen erstellen will, sieht sich gleich mehreren Herausforderungen gegenübergestellt.

Meyer Christian Xalution Quelle Xalution

Denn der Aufbau einer wirklich nachhaltigen Beschaffungskette klingt einfacher, als es tatsächlich ist. Der Grund: groß ist die Zahl der Aufgaben, die Unternehmer stemmen müssen. Angefangen von der gründlichen Recherche der Kennzahlen sowie der benötigten Daten und Hintergrundinformationen über die Verpflichtung der Lieferanten zur Datenanlieferung bis hin zum Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur.

Bei der Erstellung des CSR-Berichts können moderne ERP-Lösungen wie beispielsweise Microsoft Dynamics 365 eine echte Unterstützung sein. Denn sie geben einen Überblick über die gesamte Wertschöpfungskette, ermöglichen die Anreicherung von Produktdaten mit Nachhaltigkeitskriterien sowie die kontinuierliche Überwachung ihrer Einhaltung.

Ihre ganz große Stärke: Zusammenhänge zwischen Einzeldaten werden aufgedeckt. So verschaffen ERP-Systeme dem Anwender nicht nur Vorteile fürs Image, sondern auch finanzielle. Denn liegen die Zahlen erst einmal offen, ist ein bewussterer Umgang mit Energie, Wasser und anderen Ressourcen möglich.

An drei Stellen der nachhaltigen Wertschöpfungskette können ERP-Systeme besonders punkten:

1. Kontinuierliche Überwachung von Lieferanten-Bewertungen

Das nachhaltige Handeln von Unternehmen wird heute durch zahlreiche externe Auditoren und Indexlisten bewertet. Dabei werden zahlreiche Fragestellungen zu Umwelt- und Sozialthemen entlang des gesamten Produktlebenszyklus berücksichtigt. Grundlage für solche Assessments sind Kataloge mit einer Vielzahl verschiedener Merkmale, über welche der komplette Lebenszyklus von Bekleidungsprodukten genau erfasst wird. Auf diese Weise werden die Produkte der teilnehmenden Modemarken vergleichbar. Zusätzlich gibt es eine ganze Reihe von Nachhaltigkeitszertifikaten.

Herausforderung: Es fällt schwer, das tatsächliche Verhalten Lieferantenverhalten bezüglich der Einhaltung von Nachhaltigkeitsaspekten sowie die Gültigkeit von Zertifikaten verlässlich zu dokumentieren und nachzuhalten.

Lösung: ERP-Systeme übernehmen das Monitoring, die Kommunikation zum Lieferanten sowie die Entscheidung, ob eine Bestellung ausgelöst werden darf oder nicht. Dazu werden über eine speziell eingerichtete Audit- und Zertifikatsverwaltung die Lieferanten ermächtigt, ihre Zertifikate und CSR-Reporte eigenständig in das ERP-System zu laden. Zu Datenbanken von Indexlisten wird eine Schnittstelle geschaffen. Anschließend legt der Anwender fest, welche Nachhaltigkeitskriterien ihm wichtig sind – und wann gegebenenfalls eine Bestellung blockiert werden soll.

2. Kontinuierliche Überwachung der aktuellen CO2-Bilanz

Zur CO2 Bilanz einer Modemarke tragen zum einen die Produkte selbst bei bzw. deren Herstellung, zum anderen aber auch ihr Transport. Spätestens im jährlichen CSR-Report wird sichtbar, wie viele Waren per Schiff, Flugzeug, Bahn oder LKW transportiert wurden - und welche CO2 Emissionen damit verbunden sind. Anschließend werden die Emissionswerte der verschiedenen Lieferanten und Spediteure miteinander verglichen und daraus Konsequenzen abgeleitet.

Herausforderung: Optimalerweise wird eine CO2 Bilanz für die einzelnen Produkte oder sogar die gesamte Marke nicht nur einmal jährlich im Rahmen des verpflichtenden CSR-Reports erfasst, sondern auf monatlicher – besser noch, wöchentlicher – Basis. So können Entscheidungsträger stets auf aktuelle Kennzahlen zugreifen und diese für Ihre taktischen und strategischen Entscheidungen nutzen. Doch das Zusammenführen der dafür benötigten Daten ist eine Herausforderung.

Lösung: Wurden die entsprechenden Grunddaten einmal im ERP-System hinterlegt, sind die Daten zur CO2-Bilanz jederzeit, auch via Smartphone, abrufbar. Lieferanten und Dienstleister können bzw. müssen ihre CO2-relevanten Daten über Portale eigenständig einpflegen. Bei Vergessen werden sie automatisch daran erinnert. Der Aufwand für Pflege und Überwachung der geforderten Daten wird so erheblich reduziert.

 

3. Schnelle Erstellung von CSR-Reports

Da die Erstellung des CSR-Berichtes sehr aufwändig sein kann, wird er in vielen Fällen auch nur einmal im Jahr erstellt. Damit wird die Chance auf ein permanentes Nachhaltigkeit-Monitoring verpasst und es lassen sich keine operativen oder strategischen Entscheidungen daraus ableiten.

Herausforderung: Die meisten Unternehmen haben die notwendigen Daten für den CSR-Bericht vorliegen. Doch ohne integrierte ERP-Lösung müssen die Daten meist aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen werden. Das ist zeitaufwändig, fehleranfällig und nicht automatisierbar.

Lösung: Unternehmen, die mit einer integrierten ERP-Lösung arbeiten, haben bereits ihre Produkte sowie ihren Kunden- und Lieferantenstamm in einer gemeinsamen Softwarelösung. Diese Daten können ohne großen Aufwand um CSR-relevante Kennzahlen erweitert werden. Die Daten stehen in Echtzeit zur Verfügung und können beispielsweise über Microsoft PowerBI grafisch aufbereitet ausgewertet werden. So könnte der gesamte CSR-Bericht per Knopfdruck erstellt oder sogar im Internet veröffentlicht oder regelmäßig per Email versendet werden.

Fazit:
Die Erstellung eines CSR-Reports ist eine gute Sache für Unternehmen jeder Größe -weil er nicht nur nachhaltiges Handeln fördert, sondern auch finanzielles Optimierungspotenzial offenlegt. ERP-Systeme schaffen dafür die benötigte technologische Grundlage.

Autor: Christian Meyer (Bild), Senior Consultant, Xalution GmbH

www.xalution.com

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