(16. Mai 2018) Sicherheitsforscher der Fachhochschule Münster, der Ruhr-Universität Bochum sowie der Universität Leuven (Belgien) haben schwerwiegende Schwachstellen in den weitverbreiteten E-Mail-Verschlüsselungsstandards OpenPGP und S/MIME gefunden und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) darüber informiert.

 

Schoenbohm Arne BSI PraesidentAngreifer können demnach verschlüsselte E-Mails so manipulieren, dass der Inhalt der Nachricht nach der Entschlüsselung durch den Empfänger im Klartext an sie ausgeleitet wird. Die genannten E-Mail-Verschlüsselungsstandards können nach Einschätzung des BSI allerdings weiterhin sicher eingesetzt werden, wenn sie korrekt implementiert und sicher konfiguriert werden.

"Sichere verschlüsselte E-Mail-Kommunikation bleibt ein wichtiges und geeignetes Mittel zur Erhöhung der Informationssicherheit. Die nun entdeckten Schwachstellen lassen sich zunächst durch Patches und insbesondere durch angepasstes Nutzerverhalten schließen. Dennoch wird langfristig eine Anpassung der OpenPGP- und S/MIME-Standards nötig sein. Das BSI als nationale Cyber-Sicherheitsbehörde hat dazu seine Unterstützung angeboten. Am Ziel, Deutschland zum Verschlüsselungsstandort Nummer 1 zu machen, halten wir ausdrücklich fest. Der Ausbau des BSI als nationale Cyber-Sicherheitsbehörde und zentrales Kompetenzzentrum für Informationssicherheit, wie ihn die Bundesregierung vorgesehen hat, ist Voraussetzung dafür, dass wir uns im Bereich der Verschlüsselung noch stärker einbringen können", so BSI-Präsident Arne Schönbohm (Bild).

Zur Ausnutzung der Schwachstellen muss ein Angreifer Zugriff auf den Transportweg, den Mailserver oder das E-Mail-Postfach des Empfängers haben. Zusätzlich müssen auf Empfängerseite aktive Inhalte erlaubt sein, also etwa die Ausführung von html-Code und insbesondere das Nachladen externer Inhalte. Dies ist derzeit, insbesondere bei mobilen Geräten, in der Regel standardmäßig voreingestellt. Die Hersteller von E-Mailclients haben diesbezüglich Updates ihrer Produkte angekündigt oder schon bereitgestellt. Unabhängig von speziellen Sicherheitsupdates schützt auch die sichere Konfiguration.

Um E-Mailverschlüsselung weiterhin sicher einsetzen zu können, müssen Anwender folgende Punkte umsetzen:

Aktive Inhalte im E-Mailclient müssen deaktiviert werden. Dazu zählt die Ausführung von html-Code und das Nachladen externer Inhalte, die oftmals aus Design-Aspekten erlaubt sind.
E-Mailserver und E-Mailclients müssen gegen unauthorisierte Zugriffsversuche abgesichert sein.
Auf www.bsi-fuer-buerger.de und www.allianz-fuer-cybersicherheit.de finden Privatanwender und Unternehmen ausführliche Informationen, wie sie E-Mailverschlüsselung weiterhin sicher nutzen können.