(09. April 2018) 35 Jahre nach der Gründung wechselt Günter Carpus (65) (im Bild rechts) vom Vorstand der Carpus+Partner AG in den Aufsichtsrat. Seine Rolle übernimmt zum 1. Januar 2018 Tobias Ell (36), bisher Partner und Prokurist(im Bild links).

 Carpus Guenter re u Ell Tobias Carpus Partner AGMit dem Personalwechsel an der Unternehmensspitze des international agierenden Beratungs- und Planungsbüros ging ein umfangreicher Wandel vom vorstands- zum partnergeführten Unternehmen einher.

 

"Die immer dynamischer werdenden Märkte erfordern kurze Entscheidungswege und schnelles Handeln“, erläutert Günter Carpus. „Deswegen war mir und meinen Vorstandskollegen klar, dass der anstehende Generationenwechsel nicht allein darin bestehen konnte, geeignete Nachfolger für unsere Positionen zu finden.“ So läutete er 2012 einen Veränderungsprozess ein, in dem sowohl die Führungskräfte als auch die mittlerweile 300 Mitarbeiter an den Standorten Aachen, Frankfurt und München eingebunden waren: „Den partizipativen Ansatz, den wir in unseren Bauprojekten verfolgen, leben wir auch im eigenen Unternehmen. Gemeinsam haben wir eine neue Struktur, Kultur und Vision entwickelt, mit der die kommende Generation am Markt besteht.“

Tobias Ell ergänzt: „Mit dem Aufbruch verbunden war unser Wille, uns selbst zu übertreffen und weiter zu prosperieren.“ Seit 1982 vereint Carpus+Partner methodengelenkte Beratung, Generalplanung und technisches Spezialistentum: Mit der Mission „Wir entwickeln Gebäude, die Wissen vermehren – für eine hoffnungsvolle Zukunft“ planen und realisieren Architekten, Bauingenieure, Laborplaner, Projektmanager sowie Consultants weltweit individuelle und hochkomplexe Labor-, Produktions- und Bürogebäude, in denen Menschen begeistert zusammenarbeiten. Hierzu war die Unternehmenskultur von Carpus+Partner schon immer von der Kooperation eigenverantwortlicher Menschen geprägt – sie ließ Freiraum für fachliche sowie persönliche Entfaltung. Doch die im Lauf der Zeit gewachsene Organisationsstruktur mit klaren Hierarchien und großen ‚Abteilungen‘ von Generalisten und Experten erwies sich zunehmend als nicht mehr zeitgemäß.

Methodische Neuentwicklung der Organisation

Ein neuer Blick auf die Entscheidungswege war also nötig. In intensiven, methodisch gelenkten Workshops widmeten sich daher 17 Führungskräfte über einen Zeitraum von zwei Jahren der Reorganisation der Unternehmensstruktur. In den moderierten Einheiten kamen Prinzipien der systemischen Beratung und Methoden des Design Thinkings genauso zum Einsatz wie z. B. Firmenaufstellungen. Sämtliche Mitarbeiter der drei Standorte wurden zudem regelmäßig über den Fortgang informiert und in die Gestaltung der Veränderung einbezogen. Neben den strukturellen standen auch kulturelle Fragen im Fokus: Gemeinsam identifizierte, entwickelte und formulierte die Belegschaft die grundlegenden Werte der künftigen Zusammenarbeit.

Nach und nach kristallisierte sich heraus, dass der zuletzt dreiköpfige Vorstand personell reduziert werden kann, wenn dessen wesentliche Befugnisse auf einen Partnerkreis übergehen. Am Ende stand eine radikale Lösung: Der Vorstand sollte nur noch aus einer Person bestehen, die lediglich die nach Satzung und Aktienrecht notwendigen hoheitlichen Aufgaben erfüllt – alle strategischen Entscheidungen fällt fortan der geschäftsführende Partnerkreis aus Prokuristen kooperativ.

Maik Rothe und Peter Winkler legten ihre Vorstandsämter in der Folge nieder; Mitgründer Peter Winkler bleibt seinem Unternehmen als „Head of Pharma“ und Kundenbetreuer weiter verbunden. Für die Nachfolge von Günter Carpus, der in den Aufsichtsrat wechselt, wählte der in Zukunft fünfköpfige Partnerkreis Tobias Ell zum neuen alleinigen Vorstand.

Bereits seit dem 1. Januar 2016 führen die Mitglieder des Partnerkreises in drei Kern- und zwei Unterstützungsbereichen insgesamt 26 Fachgruppen: Tobias Ell ist „Head of Business(R)Evolution“, Sönke Morgenstern leitet den Kernbereich „Technology+Process“, Dirk Beyer ist für das „Cooperative Design“, Johannes Weitzel für den Unternehmens-Erfolg verantwortlich und Thomas Habscheid-Führer betreut die Unternehmens-Entwicklung. Günter Carpus hat den Kreis für die Übergangszeit von zwei Jahren ergänzt und wird ihm als Coach beratend zur Seite stehen.

Führungsmodell passt sich neuen Bedingungen an

„Im Kern geht es darum, Entscheidungen im täglichen Projektverlauf verstärkt auf die handelnden Personen zu verlagern, dabei Hierarchien zu vermeiden und den Beteiligten ihr Tun jederzeit zu spiegeln“, erläutert Carpus. Das gilt neben den Partnern auch für alle Mitarbeiter. Sie sind seit Anfang 2016 ebenfalls in einer neuen, agilen Struktur organisiert – jeder übernimmt Verantwortung.

Seither besteht eine bewegliche Rangordnung ohne starre Machtpositionen: Je nach Fähigkeiten, Motivation und Bedarf werden Rollen übernommen und unnötige Rollen aufgelöst – wie bei einem lebendigen Organismus, der sich eigenständig an die Bedingungen anpasst. Wo früher die Verantwortung für bis zu 80 Mitarbeiter auf den Schultern eines einzelnen Bereichsleiters lastete, agieren die Kollegen heute in kleinen Fachgruppen mit sechs bis acht Mitgliedern. Jedem einzelnen ist es möglich, per „konsultativem Einzelentscheid“ eigenverantwortliche Beschlüsse zu treffen. „Das beschleunigt unsere Prozesse enorm und fördert zugleich das persönliche Wachstum der Menschen“, sieht Neuvorstand Ell das Unternehmen den Anforderungen mehr als gewachsen: „Partnergeführt, partizipativ und kooperativ organisiert, können wir extrem flexibel auf die Komplexität und Dynamik der Märkte reagieren. Beste Voraussetzungen, uns selbst immer weiter zu übertreffen.“

http://www.carpus.de

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