(09. Mai 2018) Ob Home-Office, mobile Arbeit von jedem Ort der Welt, virtuelle Konferenzen, Avatare: Wir brauchen irgendwann keine Büroräume mehr. So zumindest eine Vision, die gegenwärtig durch die Immobilienwirtschaft geistert. Ich bin anderer Meinung. Digitalisierung wird hier überschätzt. Schon die viel gepriesenen Home-Office-Konzepte sind doch heute nicht mehr zeitgemäß.

 Knaelmann Alexander APOprojektZumindest dann, wenn es fixe Home-Office-Tage gibt und die Abwesenheit zu groß wird. Abwesenheit und damit räumliche und emotionale Distanz dürfen als Hemmnisse für produktive Arbeit nicht unterschätzt werden. Gerade gehobene Dienstleistungsunternehmen arbeiten heute alle in Teamstrukturen. Es ist nicht abzusehen, dass sich hier etwas ändert - und wenn, dann wird Teamwork eher noch an Bedeutung gewinnen. Anspruchsvolle Aufgaben werden so aufgeteilt, dass der Spezialist in seiner jeweiligen Disziplin den bestmöglichen Beitrag leistet. Dafür braucht es aber einen Teamgedanken, Vertrauen, einen gemeinsamen Spirit. In virtuellen Räumen oder durch Videotelefonie entsteht eine solche Energie nicht. Natürlich kann Entfernung so im Einzelfall überbrückt werden. Aber dies ist kein dauerhafter Ersatz für den realen Austausch. Fragen Sie einmal Ihre Mitarbeiter, ob es Cliquen auf der einen Seite gibt und Personen auf der anderen Seite, die sich weniger integriert fühlen. Sofern Sie eine ehrliche Antwort bekommen, werden letztere auffällig oft Personen sein, die seltener vor Ort im Büro sind.

Im besten Fall laden Büros künftig noch mehr dazu ein, dass sich Teams an (fast) jedem Ort auch spontan und informell austauschen. Wir brauchen dann vielleicht bald keine statischen Besprechungseinheiten mit großen Tischen mehr. Schon heute sind Stand-up-Meetings oder Treffen in Büro-eigenen Lounges beliebter als Besprechungen an langen Tischen mit Kaffeekannen und Hagelzuckerkeksen. Wenn es hier also eine Disruption gibt, dann wird sie vielleicht am ehesten den klassischen Meeting-Raum betreffen.

Insgesamt gilt: Für anspruchsvolle Teamarbeit werden wir immer Büros brauchen. Digitalisierung kann die Entfernung von Arbeitsplatz und Zuhause nur bedingt überbrücken. Dafür sehen die Bürolandschaften der Zukunft vielleicht aber noch mehr aus wie ein Zuhause – im Sinne von zusätzlicher, den Austausch fördernder Behaglichkeit.

Autor: Alexander Knälmann (Bild), Geschäftsführer von APOprojekt

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