(25. Oktober 2018). Wie wird das Büro der Zukunft sein? Im Zeitalter der Digitalisierung und Automatisierung kann die Antwort ja nur lauten: smart. Und einen realistischen Vorschlag für intelligente Büros hat Martin Theodor Schulte gemacht, Absolvent des Fachbereichs Architektur der FH Münster, der Münster School of Architecture (MSA).

Raumkonzept Quelle Martin Theodor Schulte

Seine Idee: Je nach dem, was ansteht – Konferenz, Brainstorming, intensive Einzelarbeitsphase – passt sich der Raum mit seinen Möbeln und zusätzlichen Modulen aus Pflanzen, halbdurchsichtigen Rollladen als Raumtrennelementen und einer variablen Deckenhöhe an. Für eine optimale Atmosphäre und ein besseres Arbeitsergebnis.

Wie das gehen soll? „Zunächst einmal müssen Sensoren Nutzerdaten generieren, damit der Raum auf sie reagieren kann“, erklärt Schulte. In seinem Konzept machen dies klitzekleine Sensoren, die überall im Raum verteilt werden und unter der Decke kleben. Sie liefern Informationen zu Licht, Lautstärke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit sowie zu Bewegungen, die beispielsweise Rückschlüsse auf Durchgänge oder häufig verwendete Objekte zulassen. „Das geht in den Bereich Internet der Dinge. Aus den so gewonnenen Daten erstelle ich Raumdiagramme, die sich mit den persönlichen Vorlieben zum Arbeitsplatz abgleichen lassen. Auf diese Weise findet man schnell die perfekte Position und den angenehmsten Arbeitsplatz für sich im Raum.“

Und Schulte geht noch eine Idee weiter: Er möchte als Architekt verstehen, wie ein Raum funktioniert. „Spirit“ sagt der Fachmann auch dazu. Aber der lässt sich nicht mal eben so messen. Die Sensoren und die Bewegungsströme, die sie aufzeichnen, geben aber wichtige Hinweise. „Das Prinzip habe ich hier bei uns im Digitalen Labor getestet. Dabei kam heraus, dass die 3-D-Drucker sehr viel genutzt werden, klar. Aber auch, dass die Leere mitten im Raum total wichtig ist für die Kommunikation. Wer Fragen hat oder etwas besprechen will, bleibt dort stehen. Da findet der Austausch statt.“
Der Idee nach müsste ein Raum genau auf diesen jeweiligen Bedarf reagieren. „Räume sind dann nicht mehr statisch, sondern dynamisch“, so Schulte. „Roboter sollen Tische bei Bedarf bewegen und die Möbel neu anordnen, ähnlich wie in den Logistikzentren bei Amazon. Automatische Rollos könnten als Raumtrenner fungieren und auch unterschiedliche Deckenhöhen erzeugen. In der Literatur werden niedrige Decken beispielsweise für logisches Denken empfohlen, hohen Decken sollen kreativ machen.“ In seinem Plan stecken außerdem viele mannshohe Pflanzen auf Rädern für halbdurchsichtige Barrieren. „Es geht mir darum, Elemente zu verwenden, die vertraut sind – so lässt sich der neue Raum mit seinen Eigenschaften für den jeweiligen Bedarf generieren, ohne dass der Nutzer sich fremd fühlt.“ Ein Eintrag im Kalender soll den Ausschlag geben; je nach Schlagwort designt ein Algorithmus dann automatisch den Raum zum Termin und erzeugt einen Grundriss. „Mir ist es gelungen, ein funktionstüchtiges Mock-Up des Programms zu schreiben, mir fehlen nur die Fachkenntnisse, um das Projekt marktreif zu machen.“

Trotzdem – die Idee steht, ist ausgearbeitet und kam sehr gut an bei seinem betreuenden Professor Ulrich Blum: „Diese Arbeit hat eindeutig Zukunftspotenzial und ist ein echter Ansatz für alle Unternehmen, die Mitarbeiterpartizipation ernst nehmen, indem sie Arbeitsumgebungen bereitstellen, die von den Wünschen, Vorlieben und den sich täglichen verändernden Anforderungen seitens der Mitarbeitenden geformt sind.“ Und auch Schulte hält am Konzept seiner Masterarbeit fest: „Das ist mit Mitteln machbar, die man bereits zur Verfügung hat.“

www.fh-muenster.de

 

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