(13. Februar 2020) Die Erhebung von personenbezogenen Daten wird in der Öffentlichkeit oft kritisiert. „Im Betrieb kann die Erfassung von biometrischen Daten allerdings sehr sinnvoll sein. Diese Daten können wichtig sein, um Arbeitsplätze noch besser zu gestalten,“ so Dr. Tim Jeske (Bild) vom ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft.

Jeske Dr Tim ifaa Foto Tania Walck

Der wissenschaftliche Experte für Industrie 4.0 und Digitalisierung ergänzt: „Mit Hilfe personenbezogener Daten rückt die Individualität für jeden einzelnen Beschäftigten bei der ergonomischen Gestaltung des Arbeitsplatzes in den Vordergrund.“

„Datenschutz ist wichtig und richtig,“ so Jeske. Dennoch ist das Erfassen von biometrischen Daten (wie zum Beispiel der Körpergröße oder Sehtüchtigkeit) sehr sinnvoll für die Gestaltung des Arbeitsplatzes. Mit den gewonnenen Daten ist es möglich, jedem Mitarbeiter einen passenden Arbeitsplatz zu gestalten beziehungsweise zuzuweisen. Angefangen bei der Tischhöhe, der Größe der Arbeitsfläche über den richtigen Arbeitsplatz in der Produktionslinie bis hin zu einer Sehhilfe. Dabei werden die Daten zur Anwendung etablierter Verfahren zur Bewertung der Ergonomie genutzt. So werden bspw. für die Leitmerkmalmethode der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) für Heben, Halten und Tragen von Lasten u.a. Informationen benötigt über das Geschlecht, die Körperhaltung bei der jeweiligen Tätigkeit (u.a. abhängig von der Körpergröße) und eine ggf. verminderte Belastbarkeit aufgrund von Alter oder körperlichen Beeinträchtigungen.

Ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz der persönlichen Daten eines Menschen und deren Nutzung zum Schutz ebendieses Menschen ist erforderlich.

„Es muss für Beschäftigte ganz deutlich sein, welche Daten für welchen Zweck genutzt werden und wer im Betrieb Zugriff auf diese Daten hat,“ erläutert der Experte des ifaa. Dabei kommt es auch auf die Verhältnismäßigkeit an: Die Überwachung des Atems ist in den meisten Fällen bei Feuerwehrleuten im Einsatz sicherlich eher verhältnismäßig als in der industriellen Montage.

Die Nutzung von Daten für den Arbeits- und Gesundheitsschutz ist also auf die jeweilige Arbeitstätigkeit abzustimmen. Sie wird wesentlich durch eine Unternehmenskultur unterstützt, die auf Vertrauen und Kommunikation setzt.

Wer prüfen möchte, wie es um die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze im eigenen Betrieb grundsätzlich steht, dem hilft die Checkliste Ergonomie des ifaa. Sie gibt eine erste Orientierung über den Status im Unternehmen.

https://www.arbeitswissenschaft.net/Checkliste_Ergonomie

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