(10. Juli 2018) Volle Auftragsbücher, steigende Absatzzahlen und Rekordgewinne – die deutsche Wirtschaft befindet sich unentwegt im Aufwind. Vom wirtschaftlichen Aufschwung beflügelt, forcieren Unternehmen ihre Bemühungen in puncto Digitalisierung – auch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die am 25. Mai 2018 in Kraft trat, ändert hieran wenig.

 

Schindler Dr Dierk NetApp Quelle NetAppNeun von zehn Firmen begreifen den digitalen Wandel als Chance, wie die Studie des ITK-Branchenverbands Bitkom zeigt. Doch mit Luft nach oben. Denn oft scheinen hier Anspruch und Wirklichkeit auseinanderzugehen.

Darauf lässt eine weltweit angelegte Untersuchung des Datenmanagementspezialisten NetApp schließen, an der sich 1.106 IT-Entscheider aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA beteiligt haben. Sie zeigt, dass deutsche Unternehmen im Vergleich ausgerechnet Daten als am wenigsten geschäftsentscheidend wahrnehmen – ein Widerspruch in sich. Räumen 86 Prozent aller Befragten ihren gesammelten Informationen eine äußerst hohe Bedeutung ein, sind es in Deutschland nur 78 Prozent – nach den USA (93 Prozent), Großbritannien (87 Prozent) und Frankreich (84 Prozent) der niedrigste Wert. Ein Fünftel der deutschen IT-Entscheider erachtet seine Daten zwar als wichtig, nicht aber als geschäftsentscheidend – der länderübergreifende Höchstwert. Der Rest misst Daten weder eine äußerst hohe noch wichtige Relevanz bei.

Angesprochen auf die Vor- und Nachteile der neuen Verordnung, ergibt sich ein differenziertes Bild: Lediglich 44 Prozent aller Befragten sind überzeugt, durch die DSGVO einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihrer Konkurrenz zu erhalten. Während knapp zwei Drittel der Unternehmen in den USA diese Einschätzung teilen, sind es in Deutschland nur 36 Prozent – und damit deutlich weniger als der Durchschnitt. Indes zeigen sich die Deutschen mit 28 Prozent Zustimmung zuversichtlich, im Zuge der DSGVO Wettbewerbsvorteile gegenüber nichteuropäischen Firmen zu haben – nach Frankreich (34 Prozent) der Bestwert. Gut ein Fünftel der IT-Entscheider macht sich hierzulande in einzelnen Fällen Hoffnung auf eine Besserstellung. Sechs Prozent der deutschen Unternehmen glauben nicht an einen Vorteil durch die DSGVO.

Bekannt ist: Wird die DSGVO verletzt, drohen empfindliche finanzielle Strafen. Doch mehr als die Hälfte aller IT-Entscheider fürchtet am meisten Reputationsschäden – in Deutschland ist diese Sorge mit 45 Prozent sogar noch deutlich geringer ausgeprägt als in anderen Ländern. Darüber hinaus sehen die Deutschen mit 38 Prozent Umsatzverluste als am wenigsten problematisch an. Und auch an existenzbedrohende Auswirkungen glauben deutsche Unternehmen kaum (26 Prozent), ebenso wenig an einen Verlust an Glaubwürdigkeit gegenüber ihren bestehenden Kunden (37 Prozent) sowie gegenüber bestehenden Partnern (32 Prozent) und Arbeitnehmern (17 Prozent). Dafür rechnen deutsche IT-Entscheider am häufigsten mit Arbeitsplatzverlusten (38 Prozent) und mit einem Vertrauensverlust gegenüber bestehenden Lieferanten (32 Prozent).

Unter dem Strich bleibt: Die EU-Datenschutz-Grundverordnung wird ihrem Ruf als Schreckgespenst nicht gerecht – zumindest nicht in dem kolportierten Ausmaße. Unternehmen in Deutschland zeigen sich vergleichsweise unbeeindruckt von den möglichen Konsequenzen der neuen Verordnung, versprechen sich aber auch keine allzu großen Wettbewerbsvorteile. Allerdings entlarvt die NetApp-Studie ihr noch zu oberflächliches Verhältnis zu den eigenen Daten. Gerade deutsche Unternehmen müssen den Wert ihrer Daten erkennen, soll die digitale Transformation erfolgreich vorangetrieben werden.

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