(24. Juli 2018) Im Geschäftsjahr 2017 konnten deutsche Großunternehmen ihr Working Capital, also ihr Umlaufvermögen, etwas verbessern: Die in der REL-Studie analysierten 134 deutschen Unternehmen (ohne Finanz- und Versicherungsunternehmen) wiesen 2017 eine Kapitalbindungsdauer (Cash Conversion Cycle, CCC) von durchschnittlich 47,4 Tagen gegenüber dem Vorjahr mit 48,8 Tagen auf.

 

Moody Paul RELAuch die in der aktuellen Studie untersuchten 24 DAX-Unternehmen (ebenfalls ohne Finanzinstitute und Versicherungen) konnten ihren CCC-Wert gegenüber dem Vorjahr leicht auf 54 Tage verbessern (2016: 55), lagen aber dennoch – gemessen am deutschen Unternehmensdurchschnitt – um über 7 Tage schlechter.

Insgesamt, das ergab die aktuelle Working Capital-Studie von REL (ein Unternehmen der internationalen Hackett Group), in der 1000 europäische Unternehmen (ohne Finanz- und Versicherungssektor) untersucht wurden, liegen knapp 1,115 Billionen Euro an Liquiditätspotential brach. Trotz dieses enormen Liquiditätspotenzials haben die europäischen Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr die beste Working Capital-Performance seit 2008 erzielt.

Das lag vor allem daran, dass die europäischen Großunternehmen wesentliche KPIs geändert haben: Sie reduzierten ihren DSO-Wert um 5,2 Prozent, trieben also ihre Zahlungen vonseiten der Kunden um 2,6 Tage schneller ein als im Vorjahr und bauten ihren DIO-Wert, der die Bevorratung und Lagerhaltung angibt, um 6,1 Prozent , also um 3,9 Tage ab. Diese Verbesserungen wurden aber zum Teil durch das veränderte Zahlungsverhalten zunichte gemacht: Die Unternehmen zahlten ihre Verbindlichkeiten (DPO) um 3,6 Tage schneller als im Vorjahr. Unter dem Strich, so die REL-Studie, könnte durch eine Optimierung der Kenngrößen DPO, DIO und DSO weitere erhebliche Liquidität freigesetzt werden. Bei den 134 untersuchten deutschen Großunternehmen liegt dieses Potenzial bei 278 Milliarden Euro und bei den 24 DAX-Unternehmen beträgt die brachliegende Liquidität immerhin noch 169 Milliarden Euro.

Im europäischen Vergleich der Working Capital Performance liegen die deutschen Unternehmen also weit abgeschlagen: Der europäische Durchschnitt der 1000 untersuchten Großunternehmen brachte es 2017 auf einen CCC-Wert von 37 Tagen. Damit liegt der europäische Durchschnitt 2017 also um 10 Tage besser als die durchschnittlichen deutschen Unternehmen.

Dieser Unterschied liegt an mehreren Faktoren, so erklärt Paul Moody (Bild), Managing Director DACH: „Deutsche Unternehmen wuchsen auch 2017 um 6 Prozent und dank der unglaublich günstigen Kredite wurde die Optimierung des Umlaufvermögens zweitrangig.“ Moody führt weiter aus: „Die europäischen Unternehmen zahlten 2017 ihre Rechnungen im Schnitt nach 69,6 Tagen, die deutschen Unternehmen bereits nach 56,7, die DAX-Unternehmen nach 57 Tagen. Ein weiterer, wichtiger Faktor: Die deutschen Unternehmen stehen in Europa einzig da, was die Mischung der sehr kapitalintensiven Produktion und die Fertigungstiefe in Kombination mit einem global ausgerichteten Kundengeschäft angeht. Das aber bedingt auch eine intensive und auf größere zeitliche Reichweite ausgelegte Lager- und Vorratswirtschaft, die mehr und länger Kapital bindet.“

Die trotz der leichten Verbesserung gegenüber 2016 immer noch ungünstigen DPO-Werte der deutschen Unternehmen erklärt Paul Moody so: „Sie können aufgrund ihrer finanziellen Kraft relativ schnell zahlen und darüber hinaus existiert – vor allem bei DAX-Unternehmen – weiterhin eine historisch bedingte starke Präferenz für Skonto-Konditionen.“ Aber, so relativiert Paul Moody im gleichen Atemzug: „Die deutschen und die DAX-Unternehmen waren auch 2017 führend, was Wachstum, Rentabilität, Gewinne und Exporterfolge anging. Bei einer neuerlichen Finanz- und Wirtschaftskrise kann sich die schlechtere Working-Capital-Performance aber durchaus als kritischer Wettbewerbsnachteil auswirken.“ Vor allem die noch ungewisse BREXIT-Entwicklung und die drohenden US-Strafzölle sprechen dafür, „die Working Capital-Performance konsequent zu optimieren“, so Moody weiter.

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