(03. September 2018) Pünktlich zu Schulbeginn ist sie wieder da, die Debatte um die „richtigen“ Wege zum Lernerfolg in der Schule als Basis für das zukünftige Berufsleben der Schülerinnen und Schüler. Auch wenn wir bereits mitten im Digitalzeitalter stecken, verharren Schulen noch in den gleichen Methoden wie vor Jahrzehnten.

 

Koehler Thomas R Hochschuldozent Quelle PMSowohl bei den Lerninhalten – wo zu oft noch das – heute jederzeit nachschlagbare – Faktenwissen im Vordergrund steht, wie auch bei den Lehrmethoden, die sich seit Jahrzehnten so gut wie nicht geändert haben. Digitale Lernmethoden, wie zum Beispiel: webbasiertes oder Mobiles Lernen, Simulationen und Planspiele oder Digitale Lernspiele werden selten bis gar nicht eingesetzt, dabei sind die Vorteile längst erwiesen: Sie passen sich dem Lerntempo an, sind grundsätzlich unabhängig von Raum und Zeit, helfen bei der Lernmotivation und sorgen für Inklusion auch schwächerer Schüler.

Auch bei Prüfungssituationen spielt Digitales Lernen seine Stärken aus. So helfen aktuelle Systeme nicht nur Schummeleien zu verhindern, sondern sorgen auch für mehr Fairness bei der Benotung. Unbewusste Vorurteile können durch Technologie ausgebremst werden. Wenn der Prüfer nicht weiß, wer welchen Namen und welches Geschlecht hat, dann zählt nur noch die Leistung – garantiert.

Privat ist es längst üblich, sich Lehr- und Lernvideos bei Youtube anzusehen, wenn man etwas dazu lernen will, etwa im Bereich Heimwerken. Auch stellen bekannte Hochschulen seit Jahren Lerninhalte für Jedermann ins Internet und erreichen damit eine Vielzahl von Interessenten und Studierenden, auch und gerade diejenigen die sich den Hochschulbesuch nicht leisten können aber motiviert sind, sich selbst aktiv weiterzubilden.
Schülerinnen und Schüler werden jedoch meist stiefmütterlich behandelt, wenn es um digitales Lernen geht, vielleicht mit Ausnahme einiger Startups, die sich anschicken, den Bereich der Nachhilfeleistungen zu digitalisieren.

Dabei sind die für digitales Lernen notwendigen „Werkzeuge“ – etwa in Form des Smartphones –bei den meisten Schülern längst vorhanden. Unsere Schülerinnen und Schüler brauchen – darüber hinaus - Ausstattung auf aktuellem Stand und – viel wichtiger noch – geeignete Inhalte. Mit „Spenden“ ausrangierter PC-Anlagen für Schulen – wie vielfach vorgeschlagen – wird es nicht getan sein.

Viel wichtiger ist es – in enger Zusammenarbeit mit Lehrerinnen und Lehrern eine digitale Agenda für die Schule zu entwickeln – Weiterbildungsangebote für die Lehrer inbegriffen. Nicht jeder Ausbilder muss ein eigenes digitales Angebot erstellen, er muss jedoch mit existierenden Initiativen kooperieren können, denn – bei aller Begeisterung für digitales Lernen gilt: die Funktion des Austausches in der Klasse wird nicht verschwinden – im Gegenteil, sie wird an Bedeutung zunehmen, um die am PC, Tablet oder Smartphone gelernten Inhalte zu verdichten und richtig einzusortieren.

Wir müssen weg von Handyverboten und anderen negativen Bewertungen des Digitalen im Schulbetrieb und hin zu einer neuen Offenheit, die sich aktiv den Herausforderungen der Zukunft stellt.

Autor: Thomas R. Köhler (Bild)

Zur Person:
Thomas R. Köhler ist Unternehmer, Hochschuldozent und Autor von mehr als einem Dutzend Bücher zu Technologiethemen – darunter der Bestseller „Die Internetfalle“ (FAZ-Buch) Bereits seine Diplomarbeit hat er – vor mehr als 25 Jahren – der Entwicklung eines Lehr/Lernsystems gewidmet , noch auf Basis von „Hypercard“, einem Vorgänger des WorldWideWeb. Thomas R. Köhler hat selbst erfolgreich ausgebildet und ist inzwischen Mitglied des Prüfungsausschusses der IHK München & Oberbayern. Sein erster „Azubi“ (Fachinformatiker Anwendungsentwicklung) ist inzwischen IT-Leiter in einem mittelständischen Unternehmen. Thomas R. Köhler engagiert sich außerdem seit Jahren bei der Initiative „MINT Zukunft schaffen“ und ist Mitglied der Jury „Digitale Schule“.
Sein Motto ist: „Nicht für die Schule, sondern für das digitale Zeitalter lernen wir!“

http://thomaskoehler.de/

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