(07. Dezember 2018) Noch 2017 trieb der Hype rund um Kryptowährungen die Finanzbranche um. Manche Unternehmen sind auf den Trend aufgesprungen und bieten seitdem ihren Mitarbeitern Lohnzahlungen in Bitcoin an. Doch in jüngster Zeit erfährt der Bitcoin-Hype eine regelrechte Talfahrt. In den vergangenen Wochen allein ist der Kurs von Bitcoin drastisch in den Keller gerauscht – von über 6.000 Dollar auf unter 4.000 Dollar. Haben Kryptowährungen also noch eine Zukunft oder ist das Vertrauen bereits zu sehr erschüttert, um es als legitimes Zahlungsmittel zu nutzen?

 Grotherr Michael Cornerstone onDemandSeit dem Aufkommen der ersten und bis heute populärsten Kryptowährung Bitcoin im Jahre 2010, steigt und fällt ihr Kurs wie Schwalben im Wind. Anfänglich im einstelligen Dezimalbereich erreichte die digitale Währung Ende 2017 mit 10.000 US Dollar pro Bitcoin ihren bis heute ungeschlagenen Peak. Wer auch immer den Pizzaboten im Mai 2010 bestellte und sich entschloss die weltweit erste Zahlung in Bitcoin abzuwickeln, dürfte sich einigermaßen geärgert haben. Denn nach damaligem Kurs kosteten die beiden Pizzen genau 10.000 Bitcoins. Doch wer kann andererseits schon behaupten 100 Millionen Euro für zwei warme Weizenfladen mit Tomatensauce und überbackenem Käse ausgegeben zu haben? Die risikobehaftete und gleichzeitig aufregende, neue Technologie rief seit ihrem Start nicht nur Privatleute auf den Plan. Auch Unternehmen zeigen sich interessiert und gehen dazu über Teillohnzahlungen in Bitcoin anzubieten. Plattformen wie Bitwage machen es möglich. Konzerne wie Netflix und Airbnb nutzen bereits das Angebot. Denn durch die hohe Transparenz und Transaktionsgeschwindigkeit sind Kryptowährungen äußerst attraktiv und insbesondere für Freiberufler, deren Anteil unter Berufstätigen konstant ansteigt, sowie für Peer to Peer Zahlungen interessant.

Kryptocash zukünftig als Entlohnung?

Auch das deutsche Magazin t3n bietet Mitarbeitern seit zwei Jahren an, einen Teil der Gehälter als Digitalwährung auszuzahlen. Das anfänglich belächelte Experiment hat vielen Mitarbeitern tatsächlich hohe Gewinne beschert. Es hat aber auch dafür gesorgt, dass manch einer nach heutigem Kurs tausende Euro für ein Schnitzel mit Pommes ausgegeben hat. So verteilen sich, wie bei allen Spekulationsgeschäften, Glück und Pech einigermaßen gleichmäßig auf diejenigen, die mitmischen. Dass dieses Bezahl-Modell in der breiten Masse der Unternehmen bald Anwendung findet, halten Experten für unwahrscheinlich. Dafür seien die Kurschwankungen bereits in der Vergangenheit zu groß und die steuerrechtliche Handhabung zu ungeregelt. Zudem sei der Markt im Verhältnis zu anderen Währungen sehr klein und dadurch leichter manipulierbar. Dies könnte sich jedoch durch eine erhöhte Akzeptanz der breiten Masse ändern. Doch der gegenwärtige Ausverkauf an den Kryptobörsen lässt eher das Gegenteil vermuten. Unternehmen wie Microsoft gehen deshalb dazu über, die Zahlung für Produkte und Services mit Bitcoins zu untersagen. Und weil sich Kryptowährungen auf dem Schwarzmarkt und im Untergrund höchster Beliebtheit erfreuen, gehen auch erste Länder mittels Handels- und Tauschverboten gegen diese vor.

Ursachen für den gegenwärtigen Absturz

Neben den politischen Umwälzungen, die wir gerade erleben und die in allen Branchen für Unsicherheit sorgen, ist der jüngste Absturz der Kryptowährungen einhergegangen mit der Spaltung des Bitcoin-Bruders Bitcoin-Cash. Bei solch einer Aufspaltung trennt sich quasi die Anhängerschaft hinter einer Digitalwährung. Die dahinterstehende Blockchain-Datenbank wurde von den Programmierern damit in zwei unabhängige Hälften aufgeteilt. Dazu kommt, dass Regulierungs- und Aufsichtsbehörden es in jüngster Vergangenheit verpasst haben, Kryptowährungen einen geeigneten Regulierungsgürtel umzulegen. Stattdessen wurde diese Thematik vertagt oder als zu unwichtig deklariert. Daher gilt es erstmal wieder das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, wenn Bitcoin und andere Digitalwährungen eine wichtige Anlegeklasse werden wollen.

Rechtlich bewegen sich Kryptowährungen (noch) in einer Grauzone

Dass in Zukunft jeder in Deutschland mit Bitcoins, Ether oder der Kryptowährung seiner Wahl bezahlen wird, ist rechtlich fraglich, da die Gewerbeordnung eine Bezahlung in Euro vorschreibt. Schließlich muss der Lebensunterhalt mit dem Gehalt bestritten werden können. Dieses Gebot wäre gefährdet, würden Arbeitgeber ihre Mitarbeiter in einer schwankenden Kryptowährung bezahlen. Diese Vorgabe kann jedoch umschifft werden, indem der Teil des Gehalts, der in Kryptowährung ausgegeben werden soll, als Sachbezug ausbezahlt wird. Wichtig ist hierbei, dass die Regelung im objektiven Interesse des Arbeitnehmers liegt. Das heißt, die Teillohnzahlung in Bitcoin darf nicht zu groß sein, damit der Lebensunterhalt des Mitarbeiters nicht gefährdet wird. Eine vollständige Bezahlung in Bitcoin ist nach deutschem Recht daher im Moment unzulässig und die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich dies in naher Zukunft ändern könnte. Doch das steht Teillohnzahlungen in Kryptowährungen nicht grundsätzlich im Weg. Unternehmen könnten in Zukunft also tendenziell häufiger in Bitcoin, Ether und Co. zahlen und im Gegenzug Gerichte damit beschäftigen, da es bisher noch wenige Regelungen gibt.

Autor: Michael Grotherr (Bild), Vice President Sales Central Europe bei Cornerstone OnDemand

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