(27. März 2019) Schon eine geordnete Nachfolge stellt für mittelständische Unternehmer eine Herausforderung dar. Was aber muss getan werden, um auch für den Notfall – schwere Krankheit oder plötzlicher Tod des Firmenchefs – den Fortbestand eines Unternehmens zu sichern? Wenige Maßnahmen reichen aus, um jederzeit handlungsfähig zu bleiben.

 

Breit Thomas SteuerberaterVier von zehn Chefs in KMU sind älter als 55 Jahre. Eine plötzlich erforderliche Übernahme ist aber unabhängig vom Alter brisant. Ich rate jedem Firmenchef, umgehend für den Ernstfall vorzusorgen und die Handlungsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen. Das zentrale Dokument ist eine Generalvollmacht, die sich zum Beispiel bei einem Unternehmerehepaar beide Partner gegenseitig ausstellen können. Die Vollmachten sollten in getrennten Safes aufbewahrt werden. Alternativ lassen sie sich beim Notar hinterlegen.

Ebenso wichtig für den Notfallkoffer: ein Testament sowie eine Betreuungs- und eine Patientenverfügung. Wenn die Patientenverfügung notariell erstellt wird und ein Arztbesuch vorausgegangen ist, bleibt sie dauerhaft gültig. Anderenfalls sollte sie jedes Jahr erneuert werden. Auch für das Testament lohnt der Gang zum Notar. Die Gebühr für die Beglaubigung eines Testaments wird anhand des aktuellen Vermögens berechnet – und sie schließt den Erbschein ein. Das kann eine erhebliche Kostenersparnis bedeuten, wenn sich bis zum Tod des Testamentsverfassers das Vermögen wesentlich vergrößert.

Transparenz und Sicherheit durch Digitalisierung

Auch der Zugang zu geschäftlichen Kerninformationen entscheidet, ob eine plötzliche Nachfolge gelingt. Am einfachsten ist die Situation, wenn durch digitalisierte Prozesse hohe Transparenz besteht. Ohnehin steigert eine gute Digitalstrategie den Wert von Unternehmen. Sie schafft aber auch Strukturen, die bei ungeplanten Veränderungen die Orientierung erleichtern. Für Unternehmer, die mit der Digitalisierung zunächst über die Buchhaltung starten möchten, biete ich in meiner Kanzlei ein stufenweises Programm an. Im ersten Schritt stellen wir unseren Mandanten eine Cloud und eine spezielle Software zur Verfügung. Berechnet wird nur das Einrichten der Software. Nach etwa drei Monaten läuft die Buchhaltung vollständig digital. Der Mandant entscheidet dann, ob er die Prozesse weiter über den Buchhaltungspartner unserer Kanzlei abwickeln möchte oder sie komplett selbst übernimmt. Als Ausbaustufen lassen sich ein automatischer Zahlungsverkehr und ein automatisches Mahnwesen einrichten. Alle Prozesse sind in ein internes Kontrollsystem (IKS) eingebunden, das wiederum eine Schnittstelle für Tax Compliance Management Systeme (Tax CMS) bietet. So lässt sich ein Höchstmaß an Klarheit und Rechtssicherheit schaffen, für die Nachfolge wie auch für die Finanzverwaltung.

Strategien für eine geordnete Übergabe

Auch für eine geordnete Übergabe empfiehlt es sich, das Thema so früh wie möglich anzugehen: idealerweise sieben bis zehn Jahre, bevor der Inhaber sein Unternehmen weitergeben oder in Rente gehen möchte. Der Vorlauf gibt allen Beteiligten Sicherheit und erlaubt dennoch flexible Regelungen und Rückzugsklauseln. Hintergrund: Eine Unternehmensnachfolge ist nicht nur steuerrechtlich sehr komplex, sondern auch eine hoch emotionale Situation, die unternehmerische Entscheidungen beeinflusst. Ist die Nachfolge ungeklärt, zögern zum Beispiel viele Inhaber Investitionen hinaus und beeinträchtigen damit die Zukunftsfähigkeit ihres Betriebs. Im Gegenzug lässt eine geklärte Nachfolge die Investitionen um bis zu 40 Prozent ansteigen. Zu gestalten ist daher ein interessengerechtes Gesamtsystem, das die Zukunft des Unternehmens und zugleich die Situation der Erben berücksichtigt. Es muss sich für alle rechnen.

Autor: Thomas Breit (Bild), Nachfolgeexperte und Steuerberater

Das in Hamburg ansässige Beratungsunternehmen arbeitet mit einem Netzwerk renommierter Experten, das Wirtschaftsprüfer und national wie international agierende Anwaltskanzleien umfasst. Thomas Breit ist zudem als Gastdozent an der Hochschule Fresenius Hamburg aktiv. Auf seinem Blog gibt er praxisnahe Hinweise rund um die Unternehmensnachfolge und aktuelle Steuerthemen für KMU.
https://www.steuerberatung-breit.de/warum-mir-nachfolgeplanung-so-sehr-am-herzen-liegt/

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