(25. April 2019) Die richtige Einordnung der und der richtige Umgang mit den Millennials entscheidet über die Zukunftsfähigkeit eines jeden Unternehmens.


Baumgartner Peter Quelle apoBankMedien, Politik und Wirtschaft übertreffen sich oftmals in wichtigmachenden und inhaltslosen Darstellungen über die Generationen Y und Z oder die Millennials an sich. So manche Etage zerschlägt sich den Kopf, wie künftig agiert werden soll, um mit den Millennials am Ball zu bleiben. Dazu müssen die Entscheider die Welt dieser Menschen kennen und sich Zugänge verschaffen.

WIRTSCHAFTSFAKTOR JUGEND - ORIENTIERUNG GEFRAGT
Die einen meinen, die Digitalisierung werde dazu führen, dass für die Menschen völlig neue Arbeitsplätze entstehen, die wir uns noch nicht vorstellen können. Die anderen fürchten das Ende der Arbeit. Diese werde zurückgehen und Berufe würden verschwinden. Die Dritten wissen noch gar nicht, was Sie denken sollen.
Mit den Millennials gibt es erstmals eine ganze Generation, die in einer Smartphone-Internet-Facebook-Instagram-Welt groß geworden ist. Diese Menschen kommen nun in das Arbeitsleben. Die Mitglieder dieser Generation legen perfekt einen Wunschfilter über Dinge. Sie zeigen nahen und ganz fernen Menschen wie toll das Leben ist. Die Millennials glauben Dinge erreichen zu können, weil sie es nur wollen. Mit diesen Menschen müssen wir umgehen lernen. Wir müssen ihnen Orientierung bieten.
Der Wirtschaftsfaktor Jugend wird heute vernachlässigt. Stellen Sie sich nur zwei Fragen: Wie finden und führen Sie junge Talente? Wie begeistern und erreichen Sie Nachwuchskräfte?

KOMMUNIKATION ALS SCHLÜSSEL
Im Kommunikationszeitalter erleben wir paradoxerweise einen Mangel an zwischenmenschlicher Kommunikation. Unternehmen, die mit den Millennials in Kontakt bleiben wollen, richten ihren Fokus nicht nur auf die Technik, sondern auf kommunikative Fähigkeiten. Millennials haben völlig andere Aufmerksamkeitsspannen und sind gut darin aus kurzen Sequenzen Informationen zu entnehmen. Millennials langenweilen sich aber auch schnell. Millennilas wollen ernst genommen werden. Floskeln werden durchschaut und abgewählt.

SPÄTES ERWACHSENWERDEN - ERST MIT 25 JAHREN
Die Studie der Forscherin Jean M. Twenge von der Universität in San Diego zeigt, dass die Jugend von heute später erwachsen wird. So habe sich diese Grenze von 18 auf 25 Jahre verschoben. Der Trend sei unabhängig vom Geschlecht, dem Wohnort oder sozioökonomischen Faktoren feststellbar. Was die Aktivitäten angeht, so sind heute 18-Jährige so wie früher 15-Jährige. Teenager warten heute länger, bis sie mehr Verantwortung übernehmen. Ein Grund dafür könnten die Helikopter-Eltern sein. Sie versuchen ab der Geburt das "Beste" herauszuholen und kontrollieren das Leben bis ins kleinste Detail.

40 PROZENT ÄRMER ALS DIE ELTERNGENERATION
Nach Berechnungen der Resolution Foundation verdienen Millennials in Großbritanien wesentlich weniger als Menschen eine Generation zuvor. Das macht sich beim Aufbau von Vermögen bemerkbar. Die Millennials in den entwickelten Ökonomien haben ein 40 Prozent geringeres Vermögen als die Eltern zu ihrer Zeit, errechnet der IWF. Junge Menschen können heute dadurch seltener Immobilien erwerben als früher. Ein weiteres Problem der Jungen: die Sicherung des Alters. Die Renten-Landschaft hat sich massiv geändert. Eine drohende Altersarmut ist latent vorhanden.

MILLENIALS FÜHREN
Die Anziehungskraft von Industrie 4.0 und gewinnbringender Vernetzung scheint riesig zu sein. Wer will noch Menschen erfolgreich führen?
Erfolgreich sind jene Unternehmen, die sich mit den digitalen Führungseigenschaften beschäftigen. Erfolgreich sind jene Führungskräfte, die den Menschen Orientierung bieten. Interessant sind Führungskräfte, die die Fähigkeit haben, Menschen in der Organisation zu halten und neue Menschen für die Organisation zu gewinnen. Gute Führungskräfte ersetzen hierarchische Prozesse durch wirtschaftliche Kollaboration und interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Wer heute Leistung will, muss Sinn bieten.
Führung kann man nicht herunterladen. Sinn ist keine App.

DRESSCODES UND MILLENNIALS?
Unterschiedliche Branchen setzen, oder setzten, bislang einen gewissen Dresscode voraus. Goldman Sachs lockert nun die eigenen Bekleidungsvorschriften für die Mitarbeiter. Das hat einen guten Grund. Goldman Sachs zielt darauf ab, die Firmenkultur den jüngeren Angestellten anzupassen. Mehr als drei Viertel gehören zu den Millennials. Ein lockerer Dresscode ist ein Aspekt, mit dem man als Arbeitgeber in der von Wettbewerb geprägten Branche attraktiv sein kann. Für die Technik- und Entwicklungsabteilung lockerte Goldman den Dresscode bereits vor zwei Jahren. Das war nötig, um gute Programmierer rekrutieren zu können. Die Konkurrenz durch Google und Apple ist besonders groß, weil der Dresscode dort besonders leger ist.

ABSAGE AN ALTBEWÄHRTES
Die ersten Menschen, die mit der Digitalisierung aufgewachsen sind, werden weniger Autos kaufen. Das Statussymbol auf vier Rädern wird abgewählt. Ein Drittel der Jugendlichen in den Großstädten macht keinen Führerschein mehr. Junge, urbane Menschen wollen eher kein Auto besitzen, weil der Besitz sie einengt, ihnen das Gefühl von Unabhängigkeit und Flexibilität nimmt. Wenn schon, dann kaufen sie eher mal einen Gebrauchtwagen.

BESITZEN ODER BENÜTZEN?
Immer mehr junge Menschen wollen Produkte nicht besitzen, sondern teilen oder mieten. Den Millennials geht es dabei vor allem um Freiheit. Sie wollen sich nicht durch Konsum binden und einschränken lassen. Sie wenden sich Dienstleistungen zu, die als „Sharing Economy“ bezeichnet werden. Millennilas wünschen sich, dass Unternehmen noch mehr Alternativen zum Kaufen anbieten, um flexibel zu bleiben. Solche Sharing- oder Mietmodelle sind in vielen Branchen vorstellbar.
Wichtig ist, dass Firmen auf diesen Zeitgeist der jungen Generation reagieren. Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und die Adaptierung der Organisation ist zunächst eine Investition in die Zukunft. Diese Transformation muss unweigerlich angegangen werden, ansonsten scheitern herkömmliche Geschäftsmodelle an ihrer Nichtanpassungsfähigkeit.

WOFÜR DIE MILLENNIALS GELD AUSGEBEN
Wenn Millennials Geld ausgeben, dann eher für eine tolle Reise oder für ein Konzert. Sie reisen lieber durch die Welt, als ein Auto zu kaufen. Das Geld für Fahrgemeinschaften und Fahrdienste sitzt bei ihnen hingegen locker. Sie gehen auch lieber essen und mit Freunden aus, als das Geld zukünftig in eine Doppelhaushälfte zu stecken.
Das bedeutet, es geht um mehr Erlebnis als um klassische Konsumgüter. Der moderne Millennial-Konsument kauft definitiv mehr Leben.

GESCHÄFTSMODELLE FÜR MILLENNIALS
Glück in Dosen verkauft sich an aufgeklärten Menschen immer seltener. Wenn man die Millennials als Zielgruppe identifiziert, sollte sich deren Drang nach Freiheit in Geschäftsmodellen, Angeboten und flexiblen Lösungen wiederfinden. Heute kann man beispielsweise Haushalts- oder technische Geräte für einen Monatsbeitrag mieten, der Vertrag kann jederzeit gekündigt werden.
Millennials wollen anders zu wohnen. Auch wenn bisher noch von geringer Bedeutung, entsteht immer mehr Lebensraum, der auf das sogenannte Co-Living zugeschnitten ist. Beispiele sind Micro-Appartments, Tini-Houses und ähnliche Formen. Diese Wohnungen beanspruchen sehr wenig Fläche, unter anderem weil Küche und Bad klein gehalten sind. Die wenigsten Abstriche werden bei der Lage der Wohnung gemacht. So ist beispielsweise die Nähe zum Arbeitsplatz wichtiger als für den Rest der Bevölkerung.

INVESTITIONEN IN MUT UND EMOTION
Mitarbeiter und Kunden sind definitiv zu 100% Menschen. Und sie werden über kurz oder lang aus der Generation Millennial bestehen. Zwischen Bits, Bytes und Online sind diese aber oft genug allein. Da müssen wir ansetzen. Wir Menschen brauchen wieder mehr Gesichter, Stimmen und Persönlichkeiten. Wir brauchen etwas Reales: greifbar, spürbar, ... oder eben nur Schweiß auf der Stirn.
Die Millennials werden einfordern so gesehen zu werden, wie sie sind: Soziale Wesen mit einer besonderen Geschichte. Das Leben an sich steht bei Ihnen im Mittelpunkt.
Das passt alles ganz gut, denn Wirtschaften geht ohnehin nur mit Emotionen.

Autor: Peter Baumgartner (Bild)

www.peterbaumgartner.at

 

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