(03. Mai 2019) Unsere Geschäftswelt ist voller Begriffe wie Digitale Transformation, Industrie 4.0, Digitalisierung. Man hört oder liest davon an jeder Ecke. Manche können sie nicht mehr hören und betiteln diese als Unwörter des Jahrzehnts oder verdrehen einfach ihre Augen.

Wasserthal LarissaDie anderen sind im Gegenteil sehr interessiert und davon begeistert und haben zu jedem eine Liste mit Ideen und Potenzialen. Ganz viele haben sie zwar schon mehrmals gehört, wissen aber immer noch nichts damit anzufangen und tun so, als ob sie etwas dazu zu sagen hätten, meistens mit Klischees, welche sie oft unwissend von anderen übernommen haben. Nun, was ist Digitalisierung überhaupt? Was assoziieren Sie mit dem Wort?
Ist Digitalisierung für Sie einfach überall schnelles Internet oder eine Möglichkeit, mit einer App an der Kasse zu bezahlen? Manche gehen etwas mehr ins Detail und denken dabei an Digital Twins, Chatbots, KIs, Smart Home, usw.. Im besten Fall wissen Sie selbst genau, was diese Begriffe bedeuten. Dann sind Sie schon einen Schritt weiter im Vergleich zu Kollegen und Kolleginnen, die darunter nur etwas ahnen können. Die nächste Hürde für viele ist das Fachwissen, an die Mitarbeiter professionell so zu kommunizieren, dass Ihre Botschaft auch bei den Mitarbeitern ankommt. Auf dem ersten Blick kann es jeder, denn die Aufgabe klingt sehr einfach, nicht wahr? Tatsache ist allerdings, das das, was bei Ihren Mitarbeitern verstanden wird, in der Regel eine leichte bis große Abweichungen vom Gesagten hat. Wie kommt dies? Ein Wort, in unserem Beispiel Digitalisierung, wird sehr wahrscheinlich ziemlich unterschiedlich verstanden, basierend auf Vorgeschichte, Vorkenntnisse, Wissenstand, Erfahrungen und Alter. Menschen reagieren unterschiedlich auf unsere Aussagen und interpretieren diese nach ihrem Geschmack. Genau deshalb ist es sehr wichtig zu lernen, klar zu kommunizieren, ansonsten kann ein Team aussehen, wie ein Boot voller Menschen, von den jeder in eine andere Richtung rudert. In einer Firma wird es nicht selten als Stagnation wahrgenommen: Das Management gibt, aus eigener Sicht, klare Ziele vor, die wiederum von den Mitarbeitern individuell und unterschiedlich verstanden werden. Stillstand besonders in der heutigen Zeiten bedeutet bekanntermaßen Rückschritt.

Menschlichkeit wird von immer mehr Führungskräften als essenzielle Fähigkeit für ihre Aufgabe erkannt und genau diese wird immer wichtiger, besonders in Zeiten ständiger Veränderung einerseits und Talente- und Fachkräftemangel anderseits. Es ist schon längst bekannt, dass die meisten Mitarbeiter nicht das Unternehmen, sondern Ihre Führungskraft verlassen. Welcher Führungsstil ist der Schlüssel? Meiner Meinung nach „Führen mit Menschlichkeit“, besonders in Zeiten der Digitalisierung, denn genau jetzt werden Investitionen in Maschinen, Technologien und damit verbundene Weiterbildungsmaßnahmen bevorzugt. Der Mensch bleibt auf der Strecke, geht verloren. Menschlichkeit in der Führung wird noch zu oft unterschätzt oder komplett ignoriert. Wobei genau die Menschlichkeit ein solides Fundament für die Unternehmenskultur ist, zufriedene Mitarbeiter, die im Gegenzug auch die Kunden glücklich machen. So schließt sich der Kreis: Führen mit Menschlichkeit -> zufriedene, glückliche Mitarbeiter -> zufriedene, glückliche Kunden -> erfolgreiche Geschäfte.

Nun, was ist Menschlichkeit überhaupt?

Aufmerksamkeit, Fähigkeit gut zu kommunizieren, Herzlichkeit, Empathie, Toleranz und Wertschätzung sind die meist genannten „Begriffe“ in meiner über 20jährigen Zusammenarbeit mit zahlreichen Führungskräften.

Die Menschen wollen mitgenommen und eigebunden werden. Sie wollen in einer Welt arbeiten, in der sie sich verwirklichen können, wo Querdenken nicht nur „theoretisch“ erlaubt ist, sondern tatsächlich auch gelebt wird und Spaß macht. Zudem wollen die Menschen von heute in einem Unternehmen arbeiten, wo persönliche Weiterentwicklung wichtig für jeden ist und wo die Menschen auf eine neue Rolle vorbereitet werden, wenn die alte Aufgabe überflüssig wird. Sie wollen in einer Firma tätig sein, wo sie sich mit dem Unternehmenszweck identifizieren können, wo Verantwortung ausgeübt wird und wo Menschlichkeit gelebt wird. Das ist die Welt, wo Ideen und Produkte entstehen, die die Zukunft sichern.

Führung neu gedacht bedeutet, meiner Meinung nach, nicht nur mit Fachkompetenzen zu glänzen, sondern auch persönlich und menschlich sich zu entwickeln. Nur so werden aus guten Managern herausragende Leader.


Autorin: Larissa Wasserthal (Bild) ist eine mehrsprachige internationale Trainerin, Speaker, Führungskräfte und Unternehmer Coach.

www.larissa-wasserthal.de

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