(15. Mai 2019) Rund 50 Prozent aller hierzulande im Zuge einer Erhebung Befragten glauben, dass die Blockchain-Technologie keinen tiefgreifenden Umbruch mit sich bringen wird.

Laube Robert Avanade

Dementsprechend schleppend läuft auch die Umsetzung zugehöriger Projekte: Zwei Drittel der Studienteilnehmer in Deutschland gaben an, dass ihr Unternehmen noch keine relevanten Projekte begonnen hat. Auch im internationalen Vergleich überwiegt die Skepsis.

Neue Technologien haben grundsätzlich das Potenzial, Werkzeuge mit transformativer oder disruptiver Wirkung zu sein. Allerdings kann es eine Herausforderung für Unternehmen sein, mit dem erforderlichen Innovationstempo Schritt zu halten und die Leistungsfähigkeit neuer Technologien überhaupt zu erkennen bzw. diese gewinnbringend zu nutzen. Um den Stand der Pläne und Erfahrungen mit der Integration neuer Technologien zu ermitteln, befragte Wakefield Research im Auftrag von Avanade sowohl Führungskräfte als auch IT-Entscheider unter anderem zur Blockchain-Technologie. Angesprochen wurden dabei Unternehmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitern in den USA und Deutschland sowie weiteren Ländern.

Langer Zeithorizont bis zum Go Live
Die Ergebnisse der Erhebung ergaben zudem, dass andere Industrienationen wie die USA oder Japan ebenfalls noch am Anfang in Sachen Blockchain stehen: Auch in den USA denkt die Hälfte der Befragten, dass der Technologie insgesamt zu viel Bedeutung beigemessen wird; in Japan sind dies allerdings nur 24 Prozent. Dennoch steht die Nutzung der Blockchain auf der Agenda, denn 96 Prozent der Unternehmen in Deutschland wollen die Technologie nutzen; ein Drittel davon möchte innerhalb der nächsten zwei Jahre beginnen, beim Rest ist eher von einer Langfristplanung die Sprache. Vergleichbar ist es in den USA und Japan, wo der Einsatz in 86 bzw. 90 Prozent der Firmen vorgesehen ist. Dabei wurde auch die testweise Nutzung zur Erprobung bereits als Einführung eingestuft.

Dazu passt auch die vergleichsweise Zurückhaltung deutscher Unternehmen beim Aufbau eigener Blockchain-Lösungen: Nur 61 Prozent wollen eine eigene Infrastruktur und Anwendungen verwirklichen, die restlichen 39 Prozent möchten warten, bis sie externe Lösungen beziehen können – eine eher unerwartete Entwicklung, wo deutsche Unternehmen etwa im Cloud-Umfeld lange auf Private statt Public Clouds setzten. In den USA ist der Drang, selbst aktiv zu werden, signifikant größer. 76 Prozent – also 15 Prozent mehr als in Deutschland – möchten eine eigene Infrastruktur zum Einsatz der Blockchain-Technologie schaffen.

Beim erwarteten Nutzen gibt es ebenfalls Unterschiede zwischen den Ländern. Während in Deutschland 35 Prozent der Befragten ein Plus an Transparenz erkennen, ist dies in den USA bei nur bei 25 Prozent der Fall – das dürfte auch dem jeweiligen landesspezifischen Bedürfnis nach Transparenz geschuldet sein. Vor diesem Kontext erstaunlich ist allerdings die unterschiedlich beigemessene Bedeutung in Sachen IT Security: In den USA sehen hier 46 Prozent der Studienteilnehmer Vorteile durch die Blockchain-Technologie, in Deutschland liegt der Anteil überraschend bei lediglich 37 Prozent. Bei den Hoffnungen auf neue Geschäftsmodelle liegen ebenfalls die USA in Front, hier sehen 41 Prozent Vorteile (Deutschland: 35).

Herausforderungen bei der Umsetzung
Gleichauf liegen beide Länder, wenn fehlendes Know-how als Hemmschuh gilt: 37 Prozent der deutschen Befragten sehen nicht das notwendige Wissen und Erfahrung im Unternehmen vorhanden. Mit 40 Prozent sind auch rechtliche Fragezeichen hier wie in den USA ein Problem für die Studienteilnehmer, ebenso wie die Kosten (USA: 40 Prozent, Deutschland: 39 Prozent) bzw. das Erkennen des geschäftlichen Mehrwerts (USA: 30 Prozent, Deutschland: 34 Prozent). Unterschiede gibt es bei den Bedenken hinsichtlich der Wahl des richtigen Zeitpunkts für eine Investition: 44 Prozent gaben in den USA an, dass sie befürchten, zu früh die Mittel bereitzustellen – in Deutschland liegt diese Zahl bei 34 Prozent. Eine deutliche Differenz gibt es bei der Frage der passenden Technik: Während hierzulande 42 Prozent denken, dass die richtigen Technologien nicht vorhanden sind, liegt dieser Anteil in den USA bei nur 28 Prozent.

„Die mediale Überhöhung, die wir bei Kryptowährungen als prominentes Beispiel gesehen haben, hat dem Image der Blockchain nicht gutgetan. Beim Blick auf die Umfrageergebnisse entsteht der Eindruck der Technologiemüdigkeit“, erläutert Dr. Robert Laube (Bild), Chief Technology and Innovation Officer (CTIO) von Avanade in Deutschland, Österreich und Schweiz. „Das mag eine verständliche Reaktion sein, die sich jedoch zu einem Gefahrenherd entwickeln kann. Neben ‚Kryptowährung‘ oder ‚Vertragstracking‘ können viele keine weiteren möglichen Anwendungsfälle nennen. Es fehlt vielerorts die nötige Kreativität, in welchen Szenarien Blockchain wirklich gewinnbringend zum Einsatz kommen kann. Positiv zu sehen ist, dass die Führungsebenen der Unternehmen trotzdem zum großen Teil willens sind, auf die Blockchain zu setzen. In der von Avanade beauftragen Umfrage fehlt diese Bereitschaft bei 30 Prozent der deutschen und bei 26 Prozent der US-Unternehmen. In der Vergangenheit haben wir schon größere Zurückhaltung bei neuen Technologien gesehen.“

www.avanade.de

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