(20. September 2019) Home Office ist in aller Munde. Ob es nun von Arbeitnehmern und Arbeitgebern als positiv oder negativ bewertet wird, ist zunächst einmal gar nicht entscheidend. Diskutiert wird sehr viel über dieses Thema. Aber was genau ist Home Office eigentlich?

Prinzen Dr Miriam SBS Legal

Gibt es ein Recht auf Home Office? Was sind die meist genannten Vor- und Nachteile und was gilt es für Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber zu beachten?

I. Die Definition von Home Office

Unter Home Office wird im Allgemeinen das Arbeiten vom heimischen Arbeitsplatz verstanden. Man könnte es auch als einen übergreifenden Organisationsansatz zur Flexibilisierung der Arbeit beschreiben. Jedenfalls kann man Home Office wie folgt definieren:
„Home Office, auch Telearbeit genannt, ist eine flexible Arbeitsform, bei der die Beschäftigten ihre Arbeit vollumfänglich oder teilweise aus dem privaten Umfeld heraus ausführen.“

II. Das Recht auf Home Office

Derzeit gibt es noch keinen Rechtsanspruch auf das Arbeiten von zuhause.

Allerdings gibt es im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) aktuell Bestrebungen, ein „Recht auf Heimarbeit“ gesetzlich zu normieren. Der Arbeitsschutz, die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers und die nach den Artikel 12 und 14 des Grundgesetztes geschützte unternehmerische Freiheit werden dennoch stets Beachtung finden müssen. Zudem wird es immer Berufsgruppen geben, deren Präsenz unabdingbare Voraussetzung ist und sich nicht für das Arbeiten im Home Office eignen.

Über die Frage, ob nun ein derartiges Recht auf Home Office tatsächlich notwendig ist, kann man wohl geteilter Meinung sein. Gesetzliche Vorschriften gibt es jedenfalls bereits ausreichend, um die Idee des Home Office für alle Beteiligten gerecht zu gestalten.

 

III. Die Vor- und Nachteile von der Arbeit im Home Office

Bevor Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich auf die Möglichkeit des Home Offices einigen, sollte jeder für sich abwägen, ob und welche Vorteile es ihm bringt. Vier von zehn Unternehmen bieten ihren Beschäftigten bereits das Arbeiten im Home Office an. 40 % aller Beschäftigten arbeiten derzeit ganz oder teilweise von zuhause.
Die meist genannten Vor- und Nachteile des Home Office:

Vorteile:
Höhere Flexibilität
Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Höhere Selbstbestimmung
Zeitersparnis
Reduzierte Kosten
Vertrauenskultur im Unternehmen wird gesteigert
Arbeitgebermarke wird gestärkt

Nachteile:
Fehlen von sozialen Kontakten
Fehlende Selbstdisziplin
Stärkere Ablenkung
Vermischung von Beruf und Privatleben
Vorurteile und Schwächung des Teamgeistes
Hohe Anforderungen an Datensicherheit und die IT
Höherer Aufwand bei der Vertragsgestaltung und der Organisation

IV. Die Verantwortung des Arbeitgebers für die Beschaffenheit des Arbeitsplatzes

Die Arbeitsstättenverordnung sieht vor, dass der Arbeitgeber für die Ausstattung des Telearbeitsplatzes zuständig ist und die Kosten für die Ausstattung vollständig trägt. Dabei müssen ergonomische Erkenntnisse berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass der Arbeitstisch eine Arbeitsfläche von mindestens 160 cm x 80 cm haben muss, der Bürodrehstuhl mit neigbarer Rückenlehne höhenverstellbar sein muss und die Beleuchtung muss ein blendfreies Arbeiten erlauben. Falls notwendig muss auch ein Sonnenschutz auf Kosten des Arbeitgebers angebracht werden, sodass keine störenden Reflexionen bestehen.

 

V. Empfehlungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Mitarbeiter, die im Home Office arbeiten, ist zu empfehlen, eine private Unfallversicherung abzuschließen. Nur so kann im Fall der Fälle gewährleitet sein, dass eine Versicherung den Schaden, der während der Arbeit im Home Office entstanden ist, übernimmt.

Den Unternehmen wird dringend empfohlen, Home-Office-Regelungen festzulegen. Dies ist möglich in einer Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag, in einem gesonderten Telearbeitsvertrag oder der Betriebsvereinbarung, welche aber stets durch individuelle Regelungen konkretisiert werden sollte. Nur so können die Ansprüche und Erwartungen des Unternehmens und dessen Beschäftigte tatsächlich berücksichtigt und Missverständnisse vermieden werden.
Wichtige zu regelnde Punkte sind die Ausstattung des Telearbeitsplatzes, der Datenschutz und die Datensicherheit sowie die Nennung der zuständigen Ansprechpartner. Auch die Dokumentationspflicht zur Arbeitszeit und die Festlegung der Arbeitszeitfenster sollten bestimmt werden.

Autor und Bild: Dr. Miriam Prinzen, LL.M., Rechtsanwältin, SBS Legal Rechtsanwälte Schulenberg & Partner

www.sbs-legal.de

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