(18. Oktober 2019) Nur ein Drittel (33,8 %) aller Führungspositionen in der Europäischen Union sind von Frauen besetzt. Dies stellte das Statistische Amt der Europäischen Union in seiner jüngsten Erhebung fest. In Deutschland sitzen an solchen Stellen sogar nur 29,4 Prozent Frauen und ihr Anteil ist in den vergangenen 20 Jahren nur um drei Prozentpunkte gestiegen.

Hansen Peck Sabine Amadeus

Besonders wenige Frauen findet man in den Bereichen Technik und IT in gehobenen Positionen. Chefbüro fragte Sabine Hansen Peck (Bild), Senior Vice President, People, Culture, Communication & Brand bei Amadeus, wie Unternehmen Frauen besser fördern können.

Frau Hansen Peck, wo sollten Unternehmen ansetzen, um Frauen gezielt zu fördern?
Im Grunde darf man nicht erst in den Unternehmen anfangen, sondern muss schon in den Schulen Mädchen viel mehr für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) begeistern. In den Unternehmen beginnt die Förderung bei den Auswahlverfahren für Jobs und reicht bis zu gezielten Beförderungen ins Management.

Was unternimmt Amadeus, um die Chancen für Frauen im Unternehmen zu verbessern?
Im Bereich Human Resources und auf Managementebene hat Amadeus klare Gleichstellungsziele etabliert. Im Mittelpunkt stehen dabei der Abbau des geschlechtsspezifischen Lohngefälles, die Sicherstellung einer proportionalen Beteiligung an der Programmentwicklung, Chancengleichheit bei Beförderungen und geschlechtsunabhängige Einstellungsprozesse. So achtet das Unternehmen, wenn gleiche Qualifikationen, Fähigkeiten und Erfahrungen gegeben sind, stets auf bestmögliche Vielfalt – insbesondere in Sachen Geschlechtergerechtigkeit. Außerdem überprüfen wir regelmäßig die Auswahlverfahren und achten auf geschlechtsneutrale Stellenangebote. Mit diesen Maßnahmen konnten wir den Frauenanteil auf der Senior Leadership Ebene von 12 auf 89 Frauen erhöhen. Auch die Vergütungsprozesse werden stetig überwacht, um jede Art von Genderungerechtigkeit zu vermeiden.

Was sind die größten Hürden für Frauen, die im IT-Bereich aufsteigen wollen?
Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter Personalmanagern, Gleichstellungsbeauftragten und Geschäftsführern von IT-Unternehmen kam im Frühjahr 2019 zu dem Ergebnis, dass in erster Linie mangelnde Infrastruktur für Kinderbetreuung, Hürden beim Wiedereinstieg, ungünstige Arbeitszeiten und Präsenzpflicht Frauen davon abhalten, in Unternehmen bis ins höhere Management vorzudringen. Außerdem sagten 45 Prozent der Befragten, dass die sogenannte „gläserne Decke“ nach wie vor dazu führe, dass männliche Mitarbeiter gegenüber gleich qualifizierten Kolleginnen bevorzugt würden.

Und wie wirkt Amadeus dem entgegen?
So banal es klingen mag: Die Förderung einer sinnvollen Work-Life-Balance ist eine ganz wesentliche Basis zur Frauenförderung. Vor allem auf der unteren bis mittleren Führungsebene, wenn die Kinder der Mitarbeiter meist noch kleiner sind, ist eine gute Unterstützung für die Kinderbetreuung ebenso unerlässlich wie flexible Arbeitszeiten und faire Förderprozesse. Gerade hier in der Amadeus Zentrale in Madrid sehe ich, wie schnell Frauen – natürlich auch bedingt durch nationale gesetzliche Vorgaben – nach einer Familienpause wieder arbeiten und wie gut sie im Spannungsfeld zwischen Familie und Arbeit jonglieren.

Gibt es bei Amadeus auch spezielle Programme für Frauen?
Ja. Wir haben ganz gezielt Mentoring-Programme für Frauen entwickelt mit der Vorgabe, weiblichen Mitarbeitern den Zugang zum höheren Management zu erleichtern. Ganz systematisch werden Frauen auch durch Cross-Counseling-Programme sowie durch das von Mitarbeiterinnen aus verschiedenen Ländern selbst geleitete Amadeus Women‘s Network unterstützt. All diese Maßnahmen haben in den vergangenen Jahren zu einer proportional höheren Beförderungsquote für Frauen geführt. Zurzeit gibt es bei Amadeus auf der Ebene der leitenden Angestellten 29 Prozent Frauen und wir arbeiten daran, diese Quote weiter zu erhöhen.

Was genau ist denn das Amadeus Women‘s Network?
Das Ende 2012 gegründete und international agierende Amadeus Women's Network teilt Best Practices über Ländergrenzen hinweg und bietet sowohl interne als auch externe Netzwerkmöglichkeiten mit dem Ziel, die berufliche Entwicklung von Frauen bei Amadeus voranzubringen. Ziemlich revolutionär ist, dass dieses Netzwerk der Frauenförderung für alle im Unternehmen offen ist – also auch für Männer. Denn nur gemeinsam können wir die Arbeitskultur der Zukunft schaffen und damit auch die Leistung des Unternehmens stetig voranbringen.

Gibt es auch konkrete Ideen, um junge Frauen zu einer MINT-Karriere zu ermutigen?
Ja, da sind wir vor allem im Ausland sehr aktiv. So unterstützt Amadeus die Initiative „Inspiring Girls“ in Spanien und Brasilien sowie „Code First: Girls Conferences“ in Großbritannien – beides Initiativen mit dem Ziel, Mädchen für bislang eher männlich dominierte Berufe zu begeistern. Alles in allem wollen wir bei Amadeus ein Umfeld schaffen, in dem Vielfalt gedeihen kann. Wir glauben, dass großartige Geister nicht alle gleich denken und dass eine Vielzahl von Hintergründen und Erfahrungen es uns ermöglicht, letztendlich bessere Entscheidungen für unser Unternehmen zu treffen. Denn Vielfalt wird in Zukunft ein entscheidendes Plus sein, um als Unternehmen im globalen Markt erfolgreich zu sein und zu bleiben.

Interviewpartnerin:
Sabine Hansen Peck ist Senior Vice President, People, Culture, Communication & Brand bei Amadeus. Damit ist sie bei dem weltweit agierenden Anbieter für Reisetechnologie zuständig für die globale Belegschaft, die 19.000 Mitarbeiter an 190 Standorten umfasst. Darüber hinaus leitet sie die Kommunikations- und Markenaktivitäten der Gruppe. Sie hat ihren Sitz in Madrid und ist Mitglied des Amadeus Executive Committee (Vorstandsmitglied). Im Amadeus Vorstand sind übrigens 3 Frauen, zwei davon Deutsche. Insgesamt verfügt Frau Hansen Peck über mehr als 20 Jahre internationale Managementerfahrung in den Bereichen Technologie, Finanzdienstleistungen, Private Equity, Luftfahrt und Reise. Sie lebte und arbeitete in den USA, Belgien, Deutschland, Schweiz, England und Spanien. Ihre besondere Expertise liegt darin, die in einem Unternehmen verfügbaren Talente mit der Geschäftsstrategie und der Unternehmenskultur in Einklang zu bringen – insbesondere bei der Nachwuchsentwicklung in wettbewerbsintensiven Märkten sowie bei großen organisatorischen, kulturellen und geschäftlichen Veränderungsprozessen.

www.amadeus.com

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