(01. November 2019) Nirgends gibt es so viele internationale Spitzenreiter wie in Deutschland. Damit meine ich keineswegs so große Namen wie Siemens, BASF, ThyssenKrupp oder Volkswagen, die alle kennen. Ihr Umsatz allein erklärt noch lange nicht die Exportstärke Deutschlands. Vielmehr rede ich vom Mittelstand, dem zentralen Motor unseres wirtschaftlichen Erfolgs.

Albiez Doris Quelle Dell Technologies

Die Beratungsgesellschaft Munich Strategy, die jährlich in Kooperation mit der Wirtschaftswoche die innovativsten mittelständischen Unternehmen Deutschlands kürt, bescheinigt ihnen größere Innovationssprünge sowie höhere Umsatzzuwächse und Gewinne, als sie selbst Dax-Konzerne vorweisen können. Die Top 100 im Ranking für 2018 kommen über eine Spanne von fünf Jahren, die als Berechnungsgrundlage für die Studie herangezogen wurden, auf ein Erlöswachstum von 11,5 sowie eine Gewinnquote von 14,2 Prozent. Die 30 wichtigsten börsennotierten Firmen dagegen haben beim Fünfjahresumsatz lediglich ein Plus von 6,1 Prozent und beim Ertrag von 9,3 Prozent erreicht.

Gerade die sogenannten Hidden Champions – also die unbekannten Weltmarktführer – stechen hervor. EOS aus dem oberbayerischen Krailling beispielsweise ist führend bei 3D-Druckern. Schunk aus Lauffen am Neckar, Spezialist für Greifzeuge und Spanntechnik, rüstet Roboter weltweit mit digital gesteuerten Fingern aus, so dass sie Werkstücke exakt bewegen können. Volke aus Wolfsburg wiederum hat die digitale Fahrzeugentwicklung revolutioniert. Die Märkte und Geschäftsmodelle dieser Unternehmen sind höchst verschieden, aber eins haben sie alle gemeinsam: Sie spielen mit ihren digitalen Lösungen auf internationaler Bühne ganz vorne mit.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, wenn Mittelständler immer noch dafür kritisiert werden, angeblich die Digitale Transformation zu verschlafen. Im Gegenteil: Die meist inhabergeführten und nicht dem Shareholder Value verpflichteten Unternehmen können viel schneller auf Veränderungen reagieren, haben kürzere Entscheidungswege als Konzerne und können Lösungen auch erst einmal im Kleinen ausprobieren. Diese Vorteile haben inzwischen selbst die Großen erkannt: Siemens etwa hat Firmenzweige ausgelagert, um sie selbstständig arbeiten zu lassen und damit die Strukturen der kleineren Marktführer aus Deutschland zu imitieren.

Gleichzeitig haben viele Mittelständler ihre Produkte und Lösungen als Innovation selbst eingeführt und dadurch einen technischen Vorsprung gegenüber den Wettbewerbern herausgearbeitet. Durch diese Spezialisierung, die gewöhnlich hohe Fertigungstiefe mit teilweise selbst entwickelten Maschinen und Werkzeugen, ständige Verbesserungen und eine starke Kundenorientierung umfasst, können sie die Massenproduzenten mit günstigeren Produktionskosten auf Abstand halten und müssen selbst auf dem Weltmarkt kaum Konkurrenz fürchten. Ihre Innovationskraft weckt allerdings Begehrlichkeiten – gerade auch seitens der Konkurrenz aus Fernost. Lange haben chinesische Firmen ziemlich dreist Produkte und Ideen kopiert. Inzwischen ist die einstige Copycat-Nation dazu übergegangen, in deutsche Unternehmen zu investieren beziehungsweise sie zu kaufen. So wurde zuletzt der Schweißtechnik-Spezialist Carl Cloos aus dem mittelhessischen Haiger von einem chinesischen Konkurrenten, der Estun-Gruppe, übernommen. Estun baut vor allem Industrieroboter am Stammsitz im südchinesischen Nanjing.

Muss sich der deutsche Mittelstand nun vor China fürchten? Nein! Produkt-Fokussierung, Markt-Globalisierung und enge Kundenbeziehungen sind bis heute die wesentlichen Erfolgstreiber dieser Unternehmen. Produkte mögen kopierbar sein, starke Marken aber nicht – das gilt sowohl für die Konkurrenz aus dem Ausland wie auch auf dem heimischen Markt. Die traditionell mittelständisch geprägte Wirtschaft in Deutschland ist weltweit einmalig.

Autor und Bild: Doris Albiez, Senior Vice President & General Manager, Dell Technologies Deutschland

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