(26. November 2019) Jede Branche, jeder Betrieb und jeder Beschäftigte in Deutschland ist vom digitalen Wandel und den damit einhergehenden Veränderungen betroffen. Industriekonzerne und Start-ups leben Digitalisierung. Dem gegenüber stehen kleine und mittelständische Unternehmen, die oft nicht über die Manpower und das Budget zur Digitalisierung wie Konzerne verfügen.

Lohmann Tobias BNW Foto Nico Herzog

Arbeitsmärkte rund um die Welt werden durch Algorithmen, künstliche Intelligenz und Roboter maßgeblich verändert. Leider gibt es kein Patentrezept, wie Firmen den digitalen Strukturwandel meistern können. Auch hierzulande haben Unternehmen mit den digitalen Herausforderungen zu kämpfen: Laut dem Branchenverband Bitkom geben 37 Prozent der Unternehmen an, Probleme bei der Bewältigung der Digitalisierung zu haben. Über eine unternehmensweite Digitalisierungsstrategie verfügen nur 33 Prozent. Nur 15 Prozent haben einen Digital-Verantwortlichen eingestellt. Es droht eine Kluft zwischen kleinen und großen, stark digitalisierten Unternehmen zu entstehen.

Herausforderung Digitalisierung: Veränderung muss von Mitarbeitern gelebt werden
Bei der Digitalisierung spielt aber nicht nur der Faktor Technologie eine wichtige Rolle. Viel entscheidender ist der Faktor Mensch. Doch in kleinen und mittelständischen Unternehmen werden Mangels Fachkräften, Zeit und Geld oft nur technische Innovationen realisiert. Gerade der Mensch steht aber mit seinen Kompetenzen, Potenzialen und der Fähigkeit zum vernetzten Denken und Arbeiten im Zentrum der digitalen Transformation.

Denn genau diese Methoden- und Sozialkompetenzen sind neben der Beherrschung digitaler Tools unverzichtbar, wenn es um die effektive Umsetzung neuer Technologien geht. Problemlösungskompetenz und die Kommunikationsfähigkeit in Veränderungsprozessen zählen laut Stifterverband zu den Future Skills (https://www.stifterverband.org/medien/future-skills-welche-kompetenzen-in-deutschland-fehlen), die in den nächsten Jahren besonders wichtig für Mitarbeiter und Unternehmen werden.

Mitarbeiter als Treiber interner Transformationsprozesse
Zusammen mit Unternehmen aus der Region Weser-Ems entwickelt das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) nicht nur Strategien und Tools zur Gestaltung des digitalen Wandels. Auch ein regionales Netzwerk wurde geschaffen, um den Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmen und Mitarbeitern zu fördern.

Das von der NBank über die Richtlinie Soziale Innovationen geförderte Projekt „ManKom – Management von Kompetenzverschiebungen“ geht einen Schritt weiter: Das BNW entwickelt Vertreter aus regionalen Firmen zu sogenannten „Digital Scouts“. Unter anderem wird dieses Projekt auch vom Arbeitgeberverband NORDMETALL unterstützt.

Als Digital Scouts werden Mitarbeiter aktive Gestalter des internen Transformationsprozesses. Sie sollen als Schnittstelle zwischen Geschäftsführung und Beschäftigten fungieren. Gleichzeitig begleiten sie aber auch die Einführung neuer Technologien und treiben so Veränderungen im Unternehmen voran. Neben dem Blick auf neue Technologien stärken sie auch das Bewusstsein für die Kompetenzen der Mitarbeiter in ihren Firmen.

Was braucht es, um ein Digital Scout zu sein?
Im Zuge des Digitalisierungsprozesses stehen Unternehmen vor vielfältigen Problemen: „Wir arbeiten mit Unternehmen zusammen, in der die Haltung von Chef und Mitarbeiter nicht unterschiedlicher sein könnte. Der Firmenchef will agil arbeiten, der Mitarbeiter aber nicht. Hier sind Kommunikationsstärke und das positive Aktivieren von Veränderungsbereitschaft gefragt. Die Realität zeigt uns aber auch, dass Management und/oder Mitarbeiter in Unternehmen oft nicht bereit für Veränderungen sind. Keiner komm darum herum. Denn nur so kann man im dynamischen Wettbewerb auch künftig bestehen“, erklärt Peter Grünheid, Leiter des Projekts ManKom.

An dieser Stelle sollen in kleinen und mittleren Unternehmen Digital Scouts Schwung in die Sache bringen. Sie sind die Treiber für Veränderung und Innovation. „Gleichzeitig schauen wir gemeinsam auf künftig benötigte Kompetenzen, sowohl bei Führungsaufgaben wie Auszubildenden. Wie muss unsere Mannschaft aussehen, um digitale Techniken wachstumsorientiert einsetzen zu können? Diese Frage muss sich jedes Unternehmen stellen“, sagt Peter Grünheid.

Über welche Eigenschaften und Fähigkeiten muss der Digital Scout für diese Tätigkeit verfügen? Für die Rolle kommen Führungskräfte, Ausbilder und/oder Schichtleiter in Frage. Er/Sie sollte kommunikationsstark, über eine hohe Sozialkompetenz verfügen, Gestaltungswille haben, entscheidungsfreudig sein und Lust an der Veränderung mitbringen.

Der Digital Scout sollte eine anerkannte Position im Betrieb innehaben, Techniken für den internen Know-How-Aufbau entwickeln und die Motivation der Kollegen nicht aus den Augen verlieren.

Vernetzen und gestalten im regionalen Netzwerk
Komplexe Probleme lassen sich im Rahmen von Kooperationen oft am leichtesten und schnellsten lösen. Um in bestimmten Fragen weiterzukommen oder Synergieeffekte zu schaffen, wird es in Zukunft immer häufiger auch Kooperationen zwischen Wettbewerbern geben.

Auch das regionale Netzwerk, das die am ManKom Projekt beteiligten Unternehmen aufbauen, soll diese Chance und Gelegenheit bieten: Der Austausch untereinander und das Teilen von Lösungen miteinander stehen im Vordergrund. Denn nur durch geteilte Erfahrungen, das gegenseitige Feedback und das Aufgreifen neuer Perspektiven aus unterschiedlichen Branchen lässt den eigenen Erfahrungsschatz der Digital Scouts weiter wachsen – und zukünftige Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens sichern.

www.bnw.de

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