(01.09.2020) Die Wünsche von Mitarbeitern sprechen eine deutliche Sprache: Konnte sich Anfang April 2020 noch ein Drittel derjenigen, die remote arbeiteten, vorstellen, nach der Corona-Krise ins Büro zurückzukehren, so waren es Ende Juni nur noch vier Prozent. Das ergab eine Umfrage von Perseptyx. Auch zeigt sie: Wenn Mitarbeiter von zu Hause aus produktiver arbeiten, ist es weniger wahrscheinlich, dass sie nach COVID-19 wieder an den physischen Arbeitsplatz zurückkehren möchten. Es ist also an der Zeit, das Thema anzugehen, wie Florian Christ, CEO von fino, erläutert.

Florian Christ, CEO von fino, Quelle: finoHöhere Produktivität
Das Festhalten von Managern an einer Präsenzkultur im Nine-to-Five-Rhythmus basiert auf einem Vertrauensproblem. Sie befürchten zum Beispiel, die Mitarbeiter würden außerhalb des Büros und ihrer Kontrolle nicht produktiv arbeiten – eine Angst, die sich in der Realität nicht bewahrheitet. Das haben zahlreiche Studien lange vor Corona belegt. So fand Professor Nicholas Bloom 2013 in einem Experiment heraus, dass die Produktivität von Remote Workern 13 Prozent höher war als die von Kollegen im Büro. Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup bestätigt dies.

Ursächlich dafür ist, dass sich Mitarbeiter, die ihr Arbeitsumfeld auswählen können, die Atmosphäre schaffen können, die es ihnen ermöglicht, am besten zu arbeiten. Es stören keine Kollegen, die laut telefonieren, es ist nicht zwangsläufig zu warm oder zu kalt, zu hell oder zu dunkel und niemand muss befürchten, sich bei hustenden Kollegen mit einer Erkältung, Grippe oder gar Corona anzustecken. Der Krankenstand sinkt, die Mitarbeiter sind zufriedener und ihre Motivation steigt, was zu einer höheren Produktivität führt. Zudem entfällt der Weg zur Arbeit und zurück. Das schont das Bankkonto, die Umwelt sowie die Nerven. Zudem signalisieren Unternehmen damit, dass sie die Zeit, die ihre Mitarbeiter für sie aufwenden, wertschätzen. Sie demonstrieren, dass sie Verantwortung übernehmen und ihnen Nachhaltigkeit wichtig ist – Aspekte, auf die zunehmend mehr Menschen Wert legen. Gallup zufolge sorgen sich Arbeitnehmer um den CO2-Fußabdruck ihres Unternehmens, insbesondere Millennials. 21 Prozent von ihnen, die Gallup befragte, gaben an, im vergangenen Jahr den Arbeitsplatz gewechselt zu haben, und dass sie Arbeitsplätze wollen, die ihren Werten entsprechen. Führungskräfte, die Millennials – die größte Alterskohorte der Belegschaft – gewinnen und halten möchten, sollten die Umweltauswirkungen als Teil ihres Wertversprechens für Mitarbeiter betrachten.

Einfluss von Remote Work auf die Kommunikation
Damit Mitarbeiter sich auch remote austauschen können, ist es erforderlich, ihnen geeignete Kommunikationsmittel zur Verfügung zu stellen bzw. deren Nutzung zu erlauben. Schließlich kann man den Kollegen nicht „mal kurz“ in seinem Büro aufsuchen, um Dinge zu klären. Kein Wunder, dass Videokonferenz-Systeme klar zu den Gewinnern der Corona-Pandemie gehören. Beispielsweise registrierte Microsoft im März 2020 in nur einer Woche zwölf Millionen neue Nutzer seiner Unified-Communications-Lösung Teams. Neben Video-Konferenz-Systemen für die synchrone Kommunikation ist der Einsatz von Chat-Tools, wie beispielsweise Slack, empfehlenswert. Hierüber lassen sind kleine Fragen mit den Betroffenen klären. Der Anwender solcher Chat-Tools kann dabei seinen Status auf „abwesend“ stellen. Deshalb spricht man hier auch von einer asynchronen, also zeitversetzten Kommunikationsmöglichkeit. Dies hat weitere Vorteile, nämlich wenn Mitarbeiter über ein Projekt tüfteln und nicht gestört werden möchten.
Für Diskussionen mit mehreren Mitarbeitern ist der Einsatz von Wikis empfehlenswert, in denen die Beteiligten asynchron Konzepte, Entscheidungen kollaborativ und für alle nachvollziehbar dokumentiert erarbeiten. Es gibt also zahlreiche Tools, die das standortunabhängige Arbeiten unterstützen. Letztendlich hängt es von der jeweiligen Aufgabenstellung ab, welche von diesen zum Einsatz kommen – „the right tool for the right job“.

Keine Alternative
Auch nach der Krise sollte sich jeder Knowlege Worker seinen Lebens- und Arbeitsort selbst aussuchen dürfen. Denn dies eröffnet unzählige Möglichkeiten zu leben, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Dieser Faktor ist Gallup zufolge ein essenzieller Erfolgsfaktor. 54 Prozent geben an, dass sie den Job wechseln würden, um zu entscheiden, ob sie remote arbeiten möchten oder nicht. Unternehmen, die ihnen diese Wahlmöglichkeit bieten, stehen ganz oben auf der Liste der Bewerber und geben den talentiertesten Arbeitnehmern einen guten Grund, zu bleiben.

Damit ist ein Übergang zur Remote Work für immer mehr Firmen und Organisationen alternativlos. Dies haben beispielsweise Start-ups erkannt. So gaben bei einer Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 206 Startups knapp 90 Prozent der Befragten an, dass das Arbeiten aus dem Homeoffice möglich ist. Auch führende Unternehmen sehen die Vorteile von Remote Work: Twitter hat Homeoffice für immer erlaubt, die Mitarbeiter von Google können nach derzeitigem Stand bis Juli 2021 von zu Hause arbeiten und die Angestellten des Schweizer Konzerns Novartis sollen in Absprache mit ihren Vorgesetzten entscheiden, wie, wo und wann sie arbeiten. Einige haben sogar ihre Mitarbeiter zu Hause mit ergonomischen Büromöbeln versorgt oder die Internetkosten übernommen, was die Erfahrungen der Remote Worker positiv geprägt hat. Damit haben sich viele Türen zu einer besseren Welt geöffnet – für Unternehmen, ihre Mitarbeiter und die Kunden.

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