(21. Juni 2018) Es ist noch gar nicht so lange her, da sahen viele in der Digitalisierung nur einen Hype, ein neues Spielfeld für Technikfreaks und das wirre Gedankengut einer jungen Generation irgendwo in der San Francisco Bay Area. Mittlerweile belegen die Technologiekonzerne Apple, Alphabet (Google), Microsoft, Amazon und Facebook die ersten drei und insgesamt fünf der ersten zehn Plätze unter den weltgrößten Unternehmen.

 

Cover Digitalisierung Segen oder FluchUnd ihre Marktmacht scheint keine Grenzen zu kennen, kommentieren Dietmar Wolff und Richard Göbel: „Auto-Konzerne haben heute Angst vor Suchmaschinen-Programmierern, und die schärfsten Konkurrenten der Schweizer Uhrenindustrie sind Computerbauer und Telefonhersteller.“ Doch nicht nur die Wirtschaft, auch unsere private Lebenswelt sei inzwischen vollständig durchdrungen mit digitalen Elementen – vom allgegenwärtigen Smartphone bis hin zum Kühlschrank, der Lebensmittel nachbestellt. Noch überwiege in Deutschland zwar der Anteil an Bürgern, die in der Digitalisierung eher Chancen sehen, als dass diese ihnen Angst macht. Doch diese Haltung könnte nach Meinung der beiden Experten bald kippen. Daher sei Aufklärung erforderlich. Diese leisten Wolff und Göbel jetzt als Herausgeber ihres bei Springer erschienenen Sachbuchs Digitalisierung: Segen oder Fluch?.

„Der Spruch ‚Uber yourself before you get Kodak’ed‘ ist zum neuen Leitmotiv ganzer Wirtschaftszweige geworden“, sagen Dietmar Wolff und Richard Göbel. Der Slogan bringe neben der Bedrohung althergebrachter Geschäftsmodelle noch einen zweiten Aspekt der Digitalisierung zum Ausdruck, der für viele Experten das Erfolgsrezept von Unternehmen wie Facebook und Google ist: die disruptive Innovation. Bestehende Märkte und Wertschöpfungsketten wurden durch etwas „Neues“ ersetzt. Dabei beziehe sich „neu“ nicht nur auf Produkte, sondern auch auf Prozesse, Methoden, Werkzeuge und das, wofür der Kunde Geld letztendlich bezahlt: „Das größte Medienunternehmen der Welt – Facebook – produziert keine eigenen Inhalte, der weltweit größte Anbieter von Unterkünften – Airbnb – besitzt keine eigene Immobilie, der in der Welt wertvollste Händler Alibaba keine Waren, das größte Taxiunternehmen der Welt – Uber – hat keine eigenen Fahrzeuge und Europas Fernbus-Marktführer FlixBus besitzt nur einen eigenen Bus.“

Auch im privaten Alltag sei die Digitalisierung längst angekommen. „Um dies zu erkennen, stellen Sie sich selbst einmal die Frage, welche App Sie beim Fußball-Sommermärchen 2006 genutzt haben, um sich mit Freunden über die tollen Erlebnisse damals auszutauschen. Ihre Antwort wird Sie selbst überraschen: wahrscheinlich keine“, so die Herausgeber weiter. Smartphones gab es zwar bereits seit 1996, doch die Massenverbreitung begann erst mit dem iPhone, das Apple-Gründer Steve Jobs im Januar 2007 vorgestellt hatte. Nur zehn Jahre später gehöre das Smartphone heute auch im Privaten zu unserem ständigen Begleiter, ist Kommunikationszentrale per Text, Ton, Bild oder Video mit Freunden, Bekannten oder der Familie und gleichzeitig Informationsspeicher und -quelle – etwa als Kochbuch, Fitnesstrainer, Navigationsgerät oder Uhr. Mit dem „Internet der Dinge“ und damit der Vernetzung und dem Informationsaustausch vieler Gebrauchsgegenstände in unserem Umfeld entstünden neue Chancen, aber auch Herausforderungen: „Während der Kühlschrank den Joghurt mit 10 % Fettgehalt nachbestellen will, weil dieser aufgebraucht ist, besteht die Waage nach dem morgendlichen Wiegen auf Bestellung eines Joghurts mit nur 1,5 % Fettgehalt.“

Die Digitalisierung wird im Buch von Fachexperten der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof unter dem Synonym „4.0“ sowohl in Wirtschaftsbereichen wie Mittelstand, Industrie, Marketing, Gesundheit, Hochschule und privater Bereich beleuchtet als auch hinsichtlich der wesentlichen Herausforderungen wie IT-Sicherheit, Datenschutz und Big Data. Die Autoren zeigen anhand eindringlicher Beispiele, wie die Digitalisierung unsere Arbeitsplätze und unser privates Umfeld weiter verändern wird, welche Gefahren damit verbunden sind, aber auch welche Zukunftschancen sich daraus ergeben.

Professor Dr.-Ing. Dietmar Wolff ist Mitbegründer und ehrenamtlicher Vorstand des Fachverbands Informationstechnologie in Sozialwirtschaft und Sozialverwaltung (FINSOZ) und an der Hochschule Hof seit 2015 Inhaber einer Professur "Informations- und Kommunikationssysteme für betriebliche Aufgaben".

Professor Dr. Richard Göbel lehrt seit 1997 an der Hochschule Hof im Lehrgebiet Multimediale Informationssysteme und ist dort Mitglied des Fakultätsrats Informatik, des Senats und des Hochschulrats. Zuvor war er viele Jahre lang wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Informationssysteme (iisys).

Dietmar Wolff | Richard Göbel (Hrsg.)
Digitalisierung: Segen oder Fluch
2018, 168 S.
Softcover + eBook € 24,99 (D) | € 25,58 (A) | sFr 25.50 (CH)
ISBN 978-3-662-54840-0
Auch nur als eBook verfügbar

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