(29.09.2020) Jeder Vierte (25 %) in Deutschland war bereits Opfer von Kriminalität im Internet. Das ergab das "Digitalbarometer 2020" des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK). Rund zwei Drittel der Betroffenen haben dabei einen Schaden erlitten. Ein Drittel (32 %) der Geschädigten hatte einen realen finanziellen Schaden.

Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, Quelle: BSIDie höchste angegebene Schadenssumme lag bei 50.000 Euro. Viel schwerer wiegt aber oftmals der emotionale Schaden, z. B. in Folge von Cybermobbing (25 %), oder durch Verlust wichtiger Daten oder durch den Aufwand für das Wiederherstellen der Daten (jeweils 23 %).

„Die Ergebnisse von 2020 zeigen, wer Sicherheitsempfehlungen direkt umsetzt, wird seltener Opfer einer Straftat im Internet. Das zeigt uns, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind und weiter auf Prävention setzen müssen, denn jedes Opfer ist eines zu viel", sagt Dr. Stefanie Hinz, Vorsitzende der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. „Positiv ist, dass sich 35 Prozent der Betroffenen nach einer Straftat an die Polizei gewandt haben. Laut Digitalbarometer 2019 waren es noch 31 Prozent der Befragten", erläutert Hinz.

„Jeder Zehnte gibt an, sich ohne Schutzmaßnahmen im Internet zu bewegen. Das ist wie Autofahren ohne Anschnallen oder Bahn fahren ohne Maske. Andere sichern sich bereits ab, vernachlässigen aber effiziente Maßnahmen wie automatische Updates. Laut Umfrage nutzt diese Option bewusst nur jeder Vierte, obwohl diese Maßnahme am besten und schnellsten Sicherheitslücken schließen kann. Gemeinsam mit ProPK haben wir nach dem ersten Digitalbarometer unsere Selbsthilfe-Anleitungen erweitert. Die Ergebnisse aus 2020 zeigen jedoch deutlich: Wir müssen mehr Orientierung geben, was priorisiert und im Zusammenspiel genutzt werden muss, um einen digitalen Basisschutz zu ermöglichen", so BSI-Präsident Arne Schönbohm.

Sicherheitsempfehlungen und Fokusfragen zu Hasskommentaren und Kinderpornografie

Die Ergebnisse von 2020 zeigen, wer Sicherheitsempfehlungen direkt umsetzt, wird seltener Opfer von Kriminalität im Internet. So geben Befragte, die bisher gar nicht oder nur einmalig Opfer wurden, häufiger an, die Empfehlungen direkt umzusetzen (40 %). Hingegen setzen Menschen, die mehrfach Opfer waren, Sicherheitsempfehlungen in 31 % der Fälle erst im Problemfall um. Selbst wenn sie diese schon vorab kannten. Die meisten Betroffenen (36 %) haben sich nach einer Straftat selbstständig geholfen. Eine Anzeige stellten 35 %. Nur wenige wussten nicht, welche Maßnahmen sie ergreifen sollten (5 %). In diesem Jahr wurde das Digitalbarometer zudem um ein besonderes Fokusthema erweitert: den Umgang mit problematischen Inhalten im Internet, konkret: die Verbreitung von Kinderpornografie und Hasskommentaren. So wurden die Teilnehmenden befragt, wie sie auf Hasskommentare gegenüber MigrantInnen in einer Chatgruppe reagieren würden. 28 Prozent gaben an, dass sie diese der Polizei melden würden, zehn Prozent würden gar nicht reagieren und zwölf Prozent gaben an „Weiß nicht/ keine Angaben".

In einem anderen Fallbeispiel wurden die Umfrageteilnehmer nach ihren Reaktionen auf eine Situation befragt, in der sie über eine Messenger-Gruppe Inhalte erhalten haben, die Erwachsene und Kinder in sexualisierter Art und Weise zeigen. Die Hälfte der Befragten nimmt diese Situation sehr ernst und gibt an, sich in solch einem Fall an die Polizei zu wenden. Fast ein Fünftel der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer (17 %) würde die Inhalte hingegen nur löschen und keine weiteren Maßnahmen ergreifen. Zehn Prozent der Befragten antworteten mit „Weiß nicht / keine Angabe". Etwas mehr als jede/r Zehnte (11 %) würde den Absender an eine Meldestelle oder den Plattformbetreiber melden. Nur drei Prozent würden überhaupt nicht reagieren. Beide Beispiele zeigen, dass Bürgerinnen und Bürger mehr Informationen über Anlaufstellen und Handlungsmöglichkeiten benötigen.

Die mangelnden Handlungskompetenzen bei einem Teil der Bevölkerung sowie die steigenden Fälle von leichtfertiger Verbreitung von Kinderpornografie durch Jugendliche haben die Polizeiliche Kriminalprävention veranlasst, diese Problematik in einer bundesweiten Aufklärungskampagne darzustellen. Junge Menschen sollen in den sozialen Medien darauf aufmerksam gemacht werden, dass in Chats auch Kinderpornografie kursiert und leichtfertig verbreitet wird - ohne dass den Versendern bewusst ist, dass sie sich dadurch strafbar machen. Zudem werden Informationen zum Melden von Kinderpornografie über alle Zielgruppen hinweg vermittelt. Die Kampagne startet im Oktober 2020.

www.bsi.bund.de

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