(11.11.2020) „Das wäre das Ende der Privatsphäre bei der digitalen Kommunikation“, bewertet der Datensicherheitsexperte Detlef Schmuck das anstehende Verbot einer sicheren Verschlüsselung in der Europäischen Union. Er bezieht sich damit auf den geheimen Entwurf einer geplanten Deklaration des EU-Ministerrats, nach der die Betreiber von Ende-zu-Ende-verschlüsselten Diensten gezwungen werden sollen, den Behörden Generalschlüssel zu allen Kundendaten zu übergeben. Schmuck ist Gründer und Geschäftsführer des Datendienstes TeamDrive, gehört also zu den Betroffenen.

Detlef Schmuck, Geschäftsführer TeamDrive GmbH, Quelle: TeamDriveDen Titel des EU-Resolutionsentwurfs „Sicherheit durch Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung“ bezeichnet der TeamDrive-Chef als „völlig irreführend“. „Faktisch würde eine solche Resolution das Sicherheitsniveau in der EU dramatisch verschlechtern“, erklärt Detlef Schmuck. Er erläutert: „Dienste wie TeamDrive behalten überhaupt keine Schlüssel für Kundendaten. Daher können weder wir als Betreiber noch Behörden die Kundendaten entschlüsseln. Nur dadurch ist die Privatsphäre bei der digitalen Kommunikation gewährleistet.“ Die EU-Mitgliedsstaaten wären nach der Resolution in der Lage, sich mit ihren Schlüsseln jederzeit und unerkannt in private Unterhaltungen und andere verschlüsselte Übertragungen einzuklinken.

Würden die Betreiber gezwungen, Generalschlüssel zu allen Kundendaten zu erzeugen und an die Behörden weiterzureichen, wäre indes nicht nur die Vertraulichkeit vorüber, warnt der TeamDrive-Chef. Vielmehr entstünde darüber hinaus die ernsthafte Gefahr, dass diese Schlüssel bei den Betreibern oder bei den Behörden von Hackern entwendet werden. In diesem Fall würden Kriminelle auf einen Schlag Zugang zu vertraulichen Kundendaten im großen Stil erhalten. „Wer ernsthaft glaubt, dass sich zentrale Schüsselsammelstellen dauerhaft gegen Cyberangriffe schützen lassen, der glaubt auch an den Weihnachtsmann“, formuliert Detlef Schmuck sarkastisch.
Er fordert die Bundesregierung auf, der Resolution sofort zu widersprechen, weil sie ansonsten aktuellen Informationen zufolge schon in der 47. Kalenderwoche in der Ratsarbeitsgruppe zur Kooperation im nationalen Sicherheitsbereich beschlossen werden soll. Die Vorlage im Rat der ständigen Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten ist demnach für den 25. November geplant.

„Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die EU den verheerenden Anschlag von Wien zum Anlass nimmt, das fundamentale Recht der EU-Bürgerschaft auf vertrauliche private Kommunikation außer Kraft zu setzen“, erklärt Detlef Schmuck. Er argwöhnt: „Da alle Welt mit dem Kampf gegen die Pandemie beschäftigt ist, gehen die EU-Gremien anscheinend davon aus, dass dieser schwere Rechtseingriff an den Parlamenten vorbei gar nicht weiter auffällt.“

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