(02.11.2020) Die Lieferkette im digitalen Wandel: Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie ihre Supply-Chain-Abläufe transformieren müssen, um sich zukunftsstark und modern aufzustellen. Viele scheuen aber auch die große Komplexität, die mit einem derartigen Vorhaben einhergeht. Betroffen sind alle Branchen und Geschäftsfelder, auch wenn einige Bereiche vor besonderen Herausforderungen stehen. Ein aktuelles Beispiel: die Automobilindustrie.

Tobias Stähle, Sales Director SCM/IoT/Blockchain Applications bei Oracle, Quelle: OracleDie Umstellung auf E-Mobilität, Batterien & Co. beinhaltet zahlreiche neue Anforderungen für die Lieferkette. So sind etwa andere Bauteile gefordert, die von neuen Drittanbietern stammen, und Verbraucher verlangen zudem immer individuellere Fahrzeuge. Supply Chains müssen in der Folge flexibler, Abläufe kontinuierlich an neue Begebenheiten angepasst werden. Wer zögert, verliert. Doch was wird sich konkret ändern? Und wie lassen sich Lieferketten bestmöglich rationalisieren? Lassen Sie uns einen Blick in die Glaskugel wagen...

Einkauf und Rechnungswesen automatisieren, Mitarbeiter entlasten
Exemplarisch sollen an dieser Stelle zwei Bereiche angeführt werden, die Bestandteil jeder Supply Chain sind: Einkauf und Lieferantenzahlungen.

Schon bald ändern Innovationen die Art, wie Unternehmen Einkäufe tätigen. Wo es heute noch vorrangig um Genehmigungen und Freigaben geht, bekommt der Einkauf durch den Einsatz intelligenter Technologien somit mehr und mehr Freiraum, um sich strategischen Aufgaben zu widmen. Routinetransaktionen wie der Kauf von Büromaterial werden künftig automatisch auf Basis von voreingestellten Parametern und Regeln ausgeführt. Der Einkäufer muss nur noch eingreifen, um Ausnahmen zu klären.

Künstliche Intelligenz unterstützt durch frühzeitiges Aufzeigen von Trends und Anomalien und mithilfe von abgeleiteten Entscheidungsempfehlungen zum Beispiel bei sich verändernden Bedarfen. Machine Learning wiederum hilft dabei, die Regeln nach denen Routineaufgaben automatisiert ablaufen, laufend anzupassen und zu verbessern.

Gleichsam lässt sich die Bezahlabwicklung von Lieferantenrechnungen künftig durch den Einsatz der Blockchain-Technologie in der Supply Chain weiter straffen. In einer Blockchain sind alle Transaktionen änderungsgesichert einsehbar und nachvollziehbar dokumentiert. Die Technologie kann daher auch zur Validierung von Rechnungen eingesetzt werden, sodass diese dann automatisch zum vereinbarten Zahlungsziel beglichen werden. Damit gewinnen Einkäufer und Controller Zeit, die sie nicht mit Rechnungsprüfung vergeuden müssen, sondern beispielsweise für die Auswahl und Entwicklung von Lieferanten einsetzen können.

Viele SCM-Projekte scheitern
Doch wie können Unternehmen ihre Lieferkette bestmöglich auf Vordermann bringen? Dem aktuellen 10. Branchenbarometer der Logistikexperten von Hermes zufolge beschäftigen sich derzeit rund 78 Prozent der Unternehmen hierzulande mit einer Optimierung ihrer Lieferkette. Das Problem: So manches der mit viel Elan und guten Vorsätzen gestarteten SCM-Projekte scheitert – sei es aufgrund von Kommunikationsproblemen, nicht beachtetem Zeit- und Kostenaufwand für die Einführung notwendiger Technologien oder fehlendem Know-how. Cloud Computing und KI können Unternehmen bei ihren SCM-Projekten unter die Arme greifen.

Cloud anpassungsstärker als On-Premise-Lösungen
Mithilfe der Cloud können Unternehmen ihre Supply-Chain-Strategie auf Touren bringen, denn sie profitieren von einer Fülle an internen und externen Daten, dem Öl des digitalen Wandels. Das bedeutet: Sie können Nachfragen besser als zuvor vorhersagen, Planungen verbessern und zugleich Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung (F&E) besser einbinden und unterstützen. Cloudbasierte Lieferketten werden künftig immer wichtiger werden, da sie im Vergleich zu On-Premise-Systemen deutlich flexibler, skalierbarer und anpassungsstärker sind.

Unternehmenslenker können Änderungen bei Materialverfügbarkeit, Rohstoffpreisen, gesetzlichen Vorgaben oder unerwarteten Hürden auf der letzten Meile einer Lieferung so wesentlich genauer vorherbestimmen und Gegenmaßnahmen ergreifen. Hilfreich ist darüber hinaus die virtuelle Kopie aller Schritte in der Lieferkette, der sogenannte digitale Thread. Mit ihm haben alle relevanten Teilnehmer einen vollständigen Einblick in vorgelagerte Aktionen und den Ressourcenstatus. Das hilft, Zeit zu sparen und Fehler einzudämmen.

Künstliche Intelligenz macht Supply Chain-Abläufe flotter
Eine weitere Trendtechnologie, die Unternehmen in Sachen Lieferketteneffizienz Schützenhilfe leistet, ist, wie in so vielen anderen Bereichen auch, künstliche Intelligenz (KI), beziehungsweise Maschinelles Lernen (ML). KI-gestützte SCM-Tools geben Anwendern sowohl Unterstützung als auch verlässliche Echtzeit-Informationen an die Hand. Statt die benötigten Daten in vielen verschiedenen Systemen mühsam zusammenzusuchen, helfen Chatbots oder andere KI-Lösungen etwa dabei, Prozesse zu kontrollieren und dem Anwender proaktive Ratschläge im Chat-Fenster zur Verfügung zu stellen.

Das ein derartiges Vorgehen wesentlich effizienter und weniger fehleranfällig ist als die immer noch häufig genutzte Excel-Methode dürfte außer Frage stehen. Innovative Tools ermöglichen außerdem eine optimierte vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) von Produktionsmaschinen, um Ausfallzeiten zu vermeiden. Im Zusammenspiel mit der Cloud werden Machine Learning und KI künftig noch tiefere Einblicke und bessere Unterstützung in Bereichen bieten, die bisher als zu komplex galten.

Supply-Chain-Services als Geschäftsoption
Diese Entwicklung wird zusätzlich befeuert durch die enge Verzahnung mit Sensoren, Stichwort Internet der Dinge (IoT). Da sie mit immer mehr Maschinen in Produktion und Co. gesammelt werden, stehen IoT-Daten sofort für automatisierte Warnungen, Aktualisierungen und Aktionen, Berichte und Modelle zur Verfügung. In Zukunft wird es verstärkt Unternehmen geben, die neue Funktionen und Dienste für sowie entlang der Lieferkette anbieten. Beispiele sind Informationen zum aktuellen Zustand von Geräten und Maschinen, Echtzeitdaten zur Leistung und sogar Track-and-Trace-Funktionen in Echtzeit via Blockchain. Bereits heute setzen Dienstleister mit neuen Geschäftsmodellen erfolgreich auf entsprechende Technologie und krempeln das Marktumfeld um. Dazu zählen unter anderem Blockchain-Plattformanbieter wie Circulor und retraced, die sich auf das Thema Nachhaltigkeit spezialisert haben, und auch der Equiptment-as-a-Service Anbieter ZkSystems, der Just-in-Time mit seinem Geschäftsmodell quasi neu definiert.

Entwicklungen wie Globalisierung oder Digitalisierung beeinflussen moderne Lieferketten signifikant, und es bringt nichts, die Augen zu verschließen. In die Jahre gekommene Supply Chain-Modelle können mit dieser Dynamik nicht länger mithalten. Was wir daher dringend benötigen, ist ein vernetztes Ökosystem für agilere und kosteneffektivere Reaktionen auf moderne Kundenanforderungen.

Da Lieferketten komplex sein können und oft von den unterschiedlichsten Marktbedingungen abhängen, sind sie alles andere als statisch. Essentiell ist daher eine agile und anpassungsstarke Technologie für die Supply Chain der Zukunft – Automatisierung gestützt von Cloud, KI, IoT und Blockchain, um nur ein paar der wichtigen Treiber zu nennen, die Unternehmen zum Wohl ihrer Lieferkette und ihrer Kunden im Auge behalten sollten.

Autor: Tobias Stähle, Sales Director SCM/IoT/Blockchain Applications bei Oracle

www.oracle.com

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