(15.02.2021) Die Veränderungen der letzten zwölf Monate haben allen Menschen viel abverlangt. Gary Burnison, CEO der Organisations- und Personalberatung Korn Ferry, ist der Meinung, dass diese Veränderungsgeschwindigkeit anhalten wird. In den nächsten zwei Jahren werde sich so viel verändern, wie in der gesamten letzten Dekade. Er verrät vier Denkmuster, mit denen es Menschen gelingen kann, in dieser Phase mental stabil zu bleiben und Resilienz zu entwickeln. Um sie damit in die Lage zu versetzen, Zukunft selbst pro-aktiv mitgestalten zu können.

Gary Burnison, CEO, Korn Ferry, Quelle: Korn Ferry1) Verneigen Sie sich – vor sich selbst!
Die meisten Menschen loben sich selbst viel zu wenig und selten. Auch in einer solch existenziellen Krise und Zeit der dramatischen Veränderung. Vielmehr konzentrieren sie sich darauf, was alles nicht funktioniert hat: Aufträge, die nicht wie gewohnt bearbeitet werden konnten. Team-Meetings, die virtuell gescheitert sind. Home Schooling, für das sie als arbeitende Eltern gar keine Zeit haben. Aber sehen Sie nur, wo wir alle stehen – und was wir alles geschafft haben. Wir sind immer noch da. Wir meistern den neuen Berufsalltag. Wir meistern die Vermischung von Beruf- und Privatleben. Wir haben ganz neue Modelle der Tages- und Zeitgestaltung entwickelt. Und das in einer rasenden Geschwindigkeit, ohne Vorankündigung. Ohne lange darüber zu reflektieren, wie wir diese Herausforderung angehen. Wir haben es einfach getan. Dafür können wir uns selbst loben. Darauf sollten wir stolz sein. Darum sollten wir uns darauf konzentrieren, was wir alles geschafft haben. Und nicht nur in den Fokus rücken, was alles nicht geklappt hat.

(2) Beenden Sie die Vergleiche mit der Vergangenheit oder erträumten Zukunft!
„Der Vergleich ist der Dieb der Freude“, hat einst der US-Präsident Theodore Roosevelt gesagt. Wie recht er doch hatte. Wer seine jetzige Situation stets mit der vor der Pandemie vergleicht – oder einer erträumten Zukunft – der droht zwangsweise enttäuscht zu werden. Denn unser Leben jetzt ist eben anders. Ich weiß, wie schwer das fällt: Wem es gelingt, die Vergangenheit ruhen zu lassen und im Hier und Jetzt zu leben, der hat die Möglichkeit, auf dieser Basis selbst eine neue Zukunft mitzugestalten. Dazu gehört es, die Dinge zu nehmen, wie sie jetzt sind. Und zu erkennen, wo sie einem neue Freude schenken können.

(3) Respektieren Sie Ihren Verlust – und erkennen Sie die Chance!
Veränderung geht immer mit einer Vielzahl an Gefühlen einher. Lassen Sie uns hier auf zwei Gefühle konzentrieren: Erleichterung und Verlust. Viele Menschen werden in der jetzigen Lage Verlust fühlen. Den Verlust menschlicher Begegnungen, die Möglichkeit zu reisen, ein Restaurant zu besuchen. Aber eine solche Veränderung geht auch mit Erleichterungen einher: Wer vorher viele Geschäftsreisen hatte und deswegen viel Zeit des Familienlebens verpasst hat, der hat jetzt eine Chance, ganz anders teilzunehmen. Wer vorher auf den internationalen Urlaub gespart hat, der hat plötzlich mehr Geld auf dem Konto – das an anderer Stelle investiert werden kann. Wem es wichtig war, stets das neueste Restaurant als erster im Freundeskreis zu testen – der dürfte jetzt diesen Druck nicht mehr verspüren. Lassen Sie zu, sich mit all ihren Gefühlen auseinander zu setzen. Und bringen Sie diese miteinander in den Kontext. Sie werden merken: Jeder Verlust bietet auch einen Gewinn, zumindest eine Chance. Konzentrieren Sie sich auf diese Chance. Wie klein sie auch sein mag.

(4) Scheitern Sie schnell, lernen Sie schneller!
Seit einigen Jahren scheint das Scheitern in Mode gekommen zu sein. Meine Philosophie ist schon seit langem: Wer nicht scheitert, hat auch nichts, woran er lernen und wachsen kann. Diese Zeit der Veränderung ist die wohl beste Zeit, um schnell zu scheitern – und noch schneller zu lernen. Die Unvorhersehbarkeit führt dazu, dass man im Beruflichen wie im Privaten unweigerlich Fehlentscheidungen treffen wird. Statt sich darüber zu grämen, gilt es jetzt die Gelegenheit beim Schopf zu packen und das Lernen nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern unmittelbar die Lehren zu ziehen. Und mit diesen Lehren erneut anzutreten, um die nächsten Entscheidungen zu treffen. Glauben Sie mir, es wird kaum wieder eine Zeit geben, in der Scheitern so häufig und damit gleichzeitig so normal sein wird, wie jetzt.

Natürlich ist mir bewusst, dass diese Überlegungen und Hinweise nicht auf jeden Einzelnen zutreffen werden und es sehr stark von der jeweiligen individuellen Lage abhängig ist, welche sich davon auch selbst umsetzen lassen. Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht, weder vor noch nach dieser Pandemie. Wenn ich Sie mit diesen Impulsen zum Nachdenken anregen konnte, habe ich meine heutige Mission erfüllt.

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